Mathe + Ritalin = 2-

Dienstag stand ein Mathetest an zum Thema Kurvenscharen und Flächenberechnung. Funktionen und Integralrechnung, was für ein Scheiß. Ich komm sonst nicht klar mit den ganzen Schritten oder Methoden die Anzuwenden sind und vergesse, was man machen muss um weiter zu kommen. Nicht so mit Ritalin. Den Test habe ich ohne Reibach durchgerechnet und war kurz nach Lennox fertig, der vollen Durchblick hat. Mir war schon etwas mulmig, denn immer wenn es so läuft, kann was nicht stimmen. Aber Ritalin verleiht auch mir, der absoluten Matheniete, den Durchblick.

Ein erfolgreiches Testergebnis, was mir ein Grinsen geschenkt hat. Das hebt die Schulmotivation und die Grundstimmung. Die Schule ist somit wieder etwas erträglicher und weniger aussichtslos gestaltet.

Das ist nun mal der Vorteil vom Ritalin, dass meine Gedankenstränge geordnet sind. So behalte ich einfach den Überblick. 

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Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein …

… dann kommt doch prompt wer daher und stellt dir ein Bein! Und weil ich noch so müde war, stolperte ich mir Schmackes auf mein Smilyface. Nachdem ich mich Freitagfrüh schwermütig aus dem Bett bewegt habe, ging ich mit Polly runter und der Mond wünschte mir einen guten Morgen. In meinem Gesicht formte sich ein Lächeln, denn ich freute mich auf das lang ersehnte und schon fast erreichte Ende des Tunnelblicks. Durch mein Kopf schossen Gedanken wie „nur noch drei Stunden arbeiten und morgen wird kein Wecker klingeln“ oder „unfuckingfassbar, wie geil, endlich wieder mehr Zeit für mein Pollypoop“. 

Nach der Hunderunde entdeckte ich auf meinen Handydisplay einen verpassten Anruf von der Arbeit. Warum ruft er mich so früh an? Eine halbe -/dreiviertel Stunde später, wäre ich eh da gewesen. Mit einer grimmigen Mimik zwang ich mich dazu zurückzurufen, auch wenn mir das gar nicht in meinen herrlichen Morgen passte, denn wenn Cheffchen zu Hörer greift, dann brauch er jemand der einspringt. Ein tiefer Atemzug, ein aufgesetztes Lächeln und anrufen. Wie ich bereits vermutete, fragte er mich ob ich Sonntag einspringen könnte. Zumindest habe ich dieses Mal erst nach der Zeit gefragt, bevor ich wieder blindlings Zusage. Beim letzten Mal sagte ich einfach zu, weil ich nun mal ein positives Bild auf Arbeit abgeben möchte .. und dann sagte er mir, dass ich dann von 7:30-10:30 Uhr Dienst habe. Voll in die Fresse, und wieder mit ordentlich Schmackes! Das Geld interessiert mich dabei weniger, aber da im Januar der Umzug ansteht, sollte ich soviel Geld scheffeln, wie möglich. Da genieße ich doch lieber meine Zeit mit Polly und führe ein bescheidenes Leben, als dass ich für irgendwen Überstunden schrubben gehe. Geld stinkt ganz schön und verbreitet überall die Seuche. Wenn Polly ihren Lebensabend erreicht, will ich es nicht bereuen, zu wenig Zeit mit ihr gehabt zu haben. 

Nun muss ich Sonntagabend für fünf Stunden arbeiten. Cheffchen wollte mich erst von 14-23 Uhr mit einstündiger Pause dazwischen einteilen, aber nee. Ich hab nur eine Schicht genommen und selbst die kotzt mich jetzt an. Dann werde ich mich heute Abend eben dort hin schleppen und hoffen, dass ich nicht auch noch am Mittwochmorgen eingeteilt werde, denn da fällt jemand für die 7:30 Uhr-Schicht aus. Da hat man sich mal zehn Minuten zu früh gefreut…

Gestern fand ich in meiner Notizapp ein paar lyrischen Werke, Gedichte, die ich vor zwei-/drei Jahre schrieb. In der elften Klasse behandelten wir Fabeln und anschließend Gedichte im Deutschunterricht. Mir haben idyllische Formulierungen schon lange gefallen, schon damals auf der Realschule. In diesen vier Jahren gab es nur wenige Momente, in denen ich gerne in der Schule war. Die meiste Zeit wurde ich gemobbt und fühlte mich unwohl. Wenn wir vor einem Raum warteten, hörte ich immer das absichtlich-laute Getuschel mit anschließendem Gelächter. In den fünf-Minuten-Pausen blieb ich immer möglichst unauffällig auf meinem Platz sitzen, wenn wir den Raum nicht wechseln mussten. Mir war es egal, dass ich gelegentlich ein Papieknöll oder eine Alufoliekugel abbekam, aber die Lästerei, dummen Geräusche und Beleidigungen waren schon ganz schön hart. Zum Glück konnte ich meine Tränen verstecken, sonst wäre ich nur ein noch größeres Opfer gewesen. Alles Fotzen! Meiner Mutter ging das am Arsch vorbei, zu Hause war sie auch fast nie und bei Elterngespräche war sie auch ein äußerst seltener Gast. Bis auf eine Ausnahme, hab ich ihr immer früh genug Bescheid gesagt. Wenn sie nicht da war, kassierte ich am nächsten Tag die Abreibung. Meine kratzbürstige Klassenlehrerin Frau Canewitz stellte mich dann immer vor der ganzen Klasse zur Steinugung aus. Sie meckerte mich vor allen voll und regte sich dabei immer viel zu sehr auf. Ich wollte nur im Boden versinken. In der neunten Klasse wurde es schlimmer und ich entschloss mich mit meiner Opferrolle zu der Canewitz zu gehen. Beim Reden musste ich mich zusammenreißen, denn mir ging es kacke, in meinem Hals steckte ein klebriger Kloß und Selbstbewusstsein hatte ich auch nicht. Es war schon schwer genug zu ihr, Miss Gefrierpunkt, zu gehen und nachdem ich kurz meine abgefuckte Lage schilderte, fragte sie vollends empört: „ja und was soll ich da jetzt machen?“ Das hat mir echt den Rest gegeben. Der Kloß schwoll an und der Druck auf meinen Augen wurde stärker. Ich bedankte mich für nicht und sagte ihr, dass ich nach Hause gehe, weil ich nicht mehr kann. Augenblicklich drehte ich mich um und verschwand. Mit tief gesenktem Kopf verließ ich das Schulgelände im Eilschritt. Was das nicht für eine herzlose Fotzenfresse ist! Diese blöde Erinnerung kreuzt hin und wieder meinen Weg. Einmal sah ich das Mistvieh in der Stadt, aber etwas zu spät, denn es steht noch Rache auf meiner To-Do Liste. Wenn ich sie das nächste Mal sehe, dann hoffentlich nicht auf Arbeit, denn ich will ihr einfach nur ins Gesicht rotzen, aber mit SCHMACKES! Das muss scheppern, denn so schäbig wie sie mich behandelt hat, verdient sie meine Verbalitäten nicht. Das ist weder die Zeit, noch die Energie wert. Umso früher ihre Wege meine kreuzen, desto eher werde ich von dieser wartenden Wut erlöst.

Die Canewitz war auch zugleich meine LER- und Deutschlehrerin. Damals mussten wir auch eine Gedicht lernen. Zur Auswahl stand der Zauberlehring und der Erlenkönig. Ich wählte zweiteres und beim Lernen keimte der Samen einer neuen Vorliebe, etwas, was meine Aufmerksamkeit erregte. Somit gab es zumindest ein paar Momente mehr, in denen ich gerne in der Schule war. Als ich gestern mein kurzes Gedicht „Zur Stunde“ las, musste ich wieder an diesen Moment denken, als die Canewitz mich eiskalt im Regen stehen ließ. Das schrieb ich vor knapp drei Jahren, noch bevor ich Sid kennenlernte:

Schau mal dort, das Gossenkind läuft fort!

Sieh doch her, das Elfenkind schlendert umher!

Im Schatten geborgen, versteckt der Junge seine Sorgen.
Im Schein der Sonne, lockt dem Mädchen die Wonne.
Normalerweise bin ich nicht so wortkarg, aber bei diesen spezifischen Zeilen, wollte ich keine Gefühle verstecken. Es soll das eisig-kalte Herz der Canewitz symbolisieren und zeigen, wie herablassend, gar angewidert sie mich ansah. 

Immer weiter rein in die Misere 

Heute ist Donnerstag und das heißt nichts Gutes für mich. Gestern war Mittwoch und das hieß auch nichts Gutes für mich, weil Dienstag noch beschissener. Montag habe ich die Bioklausur geschrieben und Dienstag stand direkt der Mathetest an. Thema was Gerade und Ebenen, rechnen mit Vektoren und so ein ganzen Scheiß. Ich hatte keine Zeit mir irgendwas für Mathe anzugucken und ich sehe auch kaum durch. Ständig vergesse ich die Rechenwege und weiß nicht was ich wo anwenden muss. Mit meiner kaputten Konzentration geht in Mathe gar nichts mehr. Gestern haben wir den Test zurück gekriegt und ich hab eine 5- geschrieben. Superduper! Während des Test saß ich mit Kopfweh übern Tafelwerk und habe verzweifelt nach irgendetwas gesucht, was mir weiter hilft. Zumindest haben wir den Test nochmal durchgerechnet und ich denke das hat was gebracht. Immerhin schreiben wir nächste Woche schon die Klausur, glücklicherweise die letzte für dieses Halbjahr und Kalenderjahr. 

Gestern musste ich außerdem noch mein Geschichtsvortrag über die Gleichstellung im Dritten Reich und das schriftliche Referat über die Außenpolitik der Weimarer Republik abgegeben. Das war ein Haufen Arbeit. Die Note fürs Vortragen kriege ich nächste Stunde erst, zumindest habe ich ein gutes Gefühl was den Vortrag angeht. Aber was den heutigen Schultag angeht, würde ich am liebsten einfach im Boden versinken. Letzten Donnerstag habe ich mich bis Sonntag krankschreiben lassen, weil ich sonst kaputt gegangen werden. Ich konnte nicht arbeiten gehe, die Zeit bräuchte ich für die Schule. Dafür muss ich heute die Physikklausur nachschreiben, wofür ich heute Nacht gepaukt habe. Das kotzt mich maßlos an. Um 14 Uhr muss ich schon in der Schule sein, dann schreibe ich die Klausur und anschließend habe ich noch sechs unfuckingfassbare Stunden und drei davon sind auch noch Physik. Die Englischhausaufgaben muss ich auch noch machen, fuck ey. Oh man, da fällt mir ein, dass ich noch nicht mal weiter vom Physikfiasko erzählt habe… Mein Kopf ist wie ein Sieb: fast alles sickert durch, außer die klumpigen Kotzbrocken. 

Wann hat das endlich ein Ende? Ich meine, ich bin am Ende und, dass ich heute durchgemacht habe, werde ich im Laufe des Tages noch zu spüren kriegen. Frau Hegersdorf hat gesagt ich soll Abstriche machen wo es nur geht und Frau Hannemann hat gestern dasselbe gesagt. Die beiden haben auch gesagt, dass ich das Abi nicht abbrechen soll, was ich eigentlich auch nicht will, aber die aktuelle Situation sieht nun mal beschissen aus. Keine Ahnung ob ich es überhaupt schaffe zu bestehen. Eigentlich scheitert es nur am Mathe-Leistungskurs, in den anderen Fächern sind die Noten ok. 

Wenn ich mit Polly spazieren gehe, dann sehe ich sie voller Lebenslust und Energie über die Wiese rennen, wie sie Stöcker findet oder in den Büschen und den Mäusen unterm Efeu nachjagt. Damit zaubert Sie mir jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht und für kurze Zeit ist alles vergessen, alles was auf meinen Schultern lastet und alles was mir noch aufgelastet wird in nächster Zeit. Alles stresst mich und dabei will ich einfach nur mal wieder durchatmen ohne Druck etwas nicht auf die Reihe zu kriegen. Als ich gestern kurz mit Frau Hannemann gequatscht habe, da wäre ich am liebsten in ihre Arme gefallen oder besser noch, in die von Frau Hegersdorf, um mal für einen Moment Pause zu machen.

Momentan kann ich nur klagen und jammern, mir selbst auf den Keks gehen und mir die letzten Nerven rauben lassen. Ich fühl mich wie ein Zombie, eine Untote, die sich mühsam durch die Gegend schleppt. Ich hab kein Bock mehr, weder auf den Stress, noch auf mein Geheule. Wäre ich doch nur ein Igel, dann würde ich jetzt eingerollt den Winterschlaf genießen.

Das Physikfiasko

Boar, ich bin sowas von durch … naja, mein Körper macht schlapp, aber mein Geist ist noch fit genug. Auch schon vor der Schule, war ich ko und, alter, wie anstrengend heute alles war, aber immerhin habe ich es durchgezogen! Buchstäblich …

Am Nachmittag kam Lennox vorbei und wir chillten noch ’ne halbe Stunde, bevor wir los musste. Ihm ging es ähnlich wie mir, denn er ist gestern auch ein paar Stationen auf dem Sternschnuppenstaubexpress mitgefahren, allerdings hat er nicht durch gemacht. Umso näher der Zeitpunkt zum Aufbruch kam, desto fauler wurde ich. Auch wenn es keiner laut ausgesprochen hat, haben wir es gedanklich beide in den Raum geschmissen: blau machen? Da wir heute jedoch die Vorträge in Physik halten sollten, fiel das aus, denn wenn ich in solch einem Fach schon mal die Chance auf eine gute Note habe, sollte ich sie nutzen und mir keine Sechs einbrocken.

Jammernd über unsere Schlappheit, radelten wir zur Schule, wo wir völlig saft- und kraftlos ankamen. Aufgrund der anstehenden Vorträge, musste ich nochmal hoch zu Frau Wendtland ins Büro, um mir eine leere Folie für den Polylux zu holen. Oben angekommen trafen wir Herr Jocker an, der mir eine Folie gab. Bei der Gelegenheit erwähnte ich, dass Lennox und ich die Vorträge getauscht haben, weil ich mit dem Thema Diaprojektor nicht klar gekommen bin und da Lennox seinen Vortrag eh nicht halten wollte, hat er sein Thema zum Mikroskop mit mir getauscht. Das hat mich enorm entlastet. Blöderweise hat es Herrn Jocker enorm belastet, denn Lennox sagte ihm vor einigen Tagen, dass er den Vortrag nicht halten wird, aber trotzdem das verlangte Handout ausarbeitet. Er war damit einverstanden.

Die Themen der Vorträge, werden ebenfalls Bestandteil der anstehenden Klausur, also bereitete er den Vortrag von Lennox vor, dass uns kein Stoff fehlt. Tja, als ich ihn über den Thementausch informierte, verzog sich seine Mimik und er schnauzte uns zornig voll. Was uns nicht einfällt und er habe zwei Stunden einen Vortrag ausgearbeitet und ist angepisst, blah blah blah… Herr Jocker machte uns eine ekelhafte Ansage und regte sich übermäßig auf. Plötzlich verwandelte sich meine freundliche Mimik, in Miss Angepisstheit. Ich, sowieso schon völlig durch, musste mich übertrieben anschnauzen lassen. Abklatsch und ADHS agierten zusammen, was für ein Echo sorgte. Mit meinem strengen, leicht herablassenden, mit etwas Wut gemixter Tonfall, verklickerte ich ihm, dass ich mich nicht so ankacken lasse. Während ich angepisst von Dannen zog, laberten wir uns nicht gerade leise weiter voll. Ich stürmte auf den Schulhof, um eine rauchen zu gehen. Meine Laune stabilisierte sich recht zügig, was mich selbst erstmal verwirrte, aber mir wurde dann schnell bewusst, dass ich nicht sauer auf den Jocker war, denn einerseits kann ich ihn verstehen, denn wir hätten Bescheid sagen sollen, aber andererseits hätte er uns auch einfach mitteilen können, dass die Vorträge klausurrelevante Themen sind. Naja, wie auch immer … Das war Phase 1 des Physikfiaskos.

So langsam fallen meine Augen zu, also werde ich einfach morgen von den anderen zwei Phasen erzählen.

Das muss laufen wie am Fließband

Glücklicherweise befindet sich die Beziehung wieder auf positivem Gelände. Jetzt weiß ich, dass meine Nerven einfach nur überstrapaziert waren. Das lag nicht nur an Sid, viel mehr an mir. Ja, ich hab sonst welche Negativitäten zu tief eindringen lassen, vergessen die Deckung oben zu behalten. Wenn ich nicht aufpasse, dann verpeile ich es ruhig zu bleiben. Selbstkontrolle … immer wenn ich denke, dass ich mich gut im Griff habe, kommt meine Persönlichkeit angestiefelt und verpasst mir ’ne Klarkommschelle. Es ist ja nicht so, als wäre ich unzufrieden mit meiner selbst, ich wünsche mir auch nie jemand anderes zu sein, außer wenn ich mal wieder zur Furie mutiere. Paradoxerweise geht es mir innerlich besser, wenn ich mich entladen habe, ist nur blöd wenn es jemand abkriegt, der zur falschen Zeit in meiner Gegenwart war. Wenn das passiert, egal ob bei Sid, Fremde oder sonst wen, plagt mich früher oder später mein schlechtes Gewissen. 

Wenn ich mich mal so in der Welt umsehe, dann entdecke ich eine Menge Leute, die ihre Launen im Griff haben. Da wäre zum einen Frau Hannemann, die jeden Tag ein Lächeln trägt und Gelassenheit ausstrahlt. Früher unterhielten wir uns oft nach der Schule, manchmal standen wir noch eine Stunde auf dem verlassenen Schulhof. An manchen Tagen gab es ihrerseits nichts erfreuliches zu berichten, da kam nur Leid über ihre Lippen. Beispielsweise als ihr Vater dement wurde, als eine langjährige Freundin starb oder das Ding, als Sie mir von ihrem Brustkrebs berichtete. Aber dennoch bleibt sie immer standhaft, lässt sich nichts anmerken und ist bärenstark. 

In meinem Kopf schwirrt dieser visuelle Gedanke umher. Er zeigt mir all die ausgeglichenen Menschen und wie sie sich selbst beherrschen. Die Selbstkontrolle wird als Lichtschalter dargestellt. Alle haben ein Kippschalter, den nur sie verwalten und mein Schalter ist ein Bewegungsmelder. Es sieht so aus, als gäbe es keine Lösung für mich, als läge es nicht in meiner Hand, denn ohne Schalter, keine Kontrolle. Warum bin ich nur so unausgeglichen und warum habe gerade ich den Bewegungsmelder abbekommen? Ist es etwa mein Job die blöde Kratzbürste zu sein? Darauf hab ich kein Bock, nee, echt nicht.

Immerhin wächst mein Optimismus, aber der ist noch lange nicht stark genug, um die Ausraster in Zaum zu halten. Momentan ist auch alles in Butter, so einigermaßen. Ich bin nun die zweite Nacht wach und ich war nur am Rackern. Dienstagabend ging meine Reise mit dem Sternschnuppenstaubexpress los. Nach der Schule hab ich losgelegt zu lernen und mein Schulkram zu erledigen. Vergangene Nacht lernte ich erst für die gestrige Geschichtsklausur, dann musste ich meine Gedichtinterpretation überarbeiten, den Physikvortrag ausarbeiten und ich habe es sogar noch geschafft einen weiteren Punkt für das schriftliche Referat in Geschichte abzuarbeiten. Mein Hirn ist voll von Nachkriegsjahren, Versailer Vertrag, Weimarer Repulik, Mikroskope und schlesische Weber. In der vergangenen Stunden sah es ähnlich aus. Zuerst musste ich den Physikvortrag fertig machen, was ich noch nicht geschafft habe. Mir fehlen noch zwei Skizzen und das Handout. Mikroskope sind jetzt nicht so aufregend, dennoch interessiert es mich und ich arbeite gerne dran. Leider zu gerne. Ich hab mich zu lange damit aufgehalten. Eigentlich wollte ich noch mit dem Referat weiter machen. Deadline ist der letzte Tag vor den Weihnachts-, als auch Halbjahresferien, aber ich kenne Frau Wendtland. Sie ist froh, wenn sie es so früh wie möglich kriegt und ich wollte damit glänzen als Erste abzugeben. Schließlich muss ich mir langsam mal wieder Motivation und Ehrgeiz aneignen. Das hat enorm nachgelassen und blieb oft auf der Strecke wegen irgendwelchen Negativitäten. Es ist nicht langsam Zeit dafür, nein, es ist allerhöchste Eisenbahn! Das Abi ruft und es wäre schön nicht einfach nur mit einer Vier zu bestehen. 

Zu Beginn des Schuljahres erkundigte ich mich, ob unsere Abendschule auch tatkräftig aufs Studium vorbereitet, denn ich wusste, dass es nicht so ist. Wenn man was will, muss man sich kümmern und das habe ich getan, nicht nur weil ich Klassensprecherin bin, sondern weil ich Antworten brauchte, die ich jetzt glücklicherweise habe. Neben der erlangten Klarheit, habe ich aber auch Panik bekommen. Der Herr Irgendwas erklärte uns, wie das mit der Verteilung der Studienplätze läuft. Wenn ich meine Messlatte beim gerade bestandenen Abi hängen lasse, dann werde ich zwar LimboQueen, aber stehe wahrscheinlich jahrelang auf der Warteliste für einen Studienplatz. Klar wäre es cool einfach mal ein Jahr durchzuchilln und jede Minute mit Polly zu verbringen, aber ich hab keine Lust noch länger auf meine Zukunft zu warten. Andere Fünfundzwanzigjährige steuern schon volle Kraft voraus auf ihr Diplom oder ihren Doktor und ich weiß nicht mal, ob ich das mit der Mathematik gebacken kriege. Was ist, wenn ich das Abi in Sand setze, weil Vektoren und ihre Linearkombinationen echte Fotzköppe sind?! Was soll ich denn tun? Ok, durchatmen … wenn ich versage, habe ich immerhin noch das Fachabi und damit findet sich sicher auch eine geeignete Studienrichtung. Noch ist nichts verloren. Ich bezweifle, dass ich es noch auf einen Zweierdurchschnitt schaffe, denn ich hab dieses Halbjahr schon dreimal eine 5+ kassiert. Lennox drängt mich auch, dass ich mich mehr reinhänge und er hat ja auch Recht. Auch wenn mich die Abendschule ankotzt und ich absolut kein Bock mehr darauf habe, erst am späten Nachmittag die erste Stunde zu haben, sollte ich dich nicht vergessen, dass eigentlich ein Streber in mir wohnt. Auf meinem Zeugnis vom dritten Lehrjahr stehen mehr Einser, als Zweier und jetzt interessiert es mich nur noch, ob ich bestehe.