Die rostige Zombiehülle

Im Moment stehe ich scheinbar im toten Winkel des Daseins. Das ist ein seltsames Gefühl, schwer zu beschreiben. Es ist weder gut, noch schlecht, es ist einfach da. Als stünde ich buchstäblich neben mir auf einem neutralen Fleck und meine Hülle schleppt sich von einem Ort zum anderen. Meine irdische Existenz hat den Autopilot aktiviert, weil der eigentliche Pilot das Cockpit lieber von Außen beobachtet. Was? Ich meine …, wie ist das passiert und was ist eigentlich überhaupt passiert? Hab ich irgendwas verpasst? Also, man kann doch nicht einfach so sein Leben verpassen, abgesehen von komatösen Zuständen und so. Ich war doch die ganze Zeit da, aber irgendwie nicht anwesend. Außer bei Interaktionen mit Polly, da bin ich voll und ganz da. 

Scheinbar ist meine Seele Müde vom weltlichen Müßiggang. Wenn ich mich so betrachte, dann sehe  ich einen rostigen Zombie, der sich nur schwerfällig bewegen kann. Kein Wunder, denn meine verwaiste Zombiehülle ist ummantelt von Frustration. Auf meinen Schultern lastet die Schmach, fuckingschwer wie ein klatschnasser Pelzmantel an dem sich jammernde Katzen festkrallen. Was für ein metamorphorischer Müßiggang. Klar, frag‘ ich mich da erstmal, woher diese gewaltige Frustration kommt? Ich meine, wtf, wie kann denn ein Zombie rosten? Außerdem der Mantel …, der, in Endlosschleife triefender Pelzmantel, bleischwer und so lang, dass er schon fast wie eine Schleppe aussieht. Und dann noch diese jammernden Katzen! Warum sollten sich vier-fünf äußert depressive Katzen an einem nassen Mantel festkrallen? Offensichtlich nur, um mich kackendreist anjammern zu können.

Genug rumgewundert. Wird Zeit, dass diese Kuriositäten ihre eigentliche Gestalt annehmen. Kein wirklich schöner Anblick, wenn sich das ganze Elend zeitgleich entblößt. Das sieht aus, wie verseuchte Kotze auf versifften Fliesen. Soviel zum Status quo …, zumindest war es noch vor Kurzem so. Wer weiß, wie lang‘ dieses parasitäre Drangsal sich schon unbemerkt von meiner Energie nährte. Damit war denn Schluss, meine Seele kehrte zurück in mein rostigen Zombieleib. Der Blender alias Autopilot wurde verscheucht und den Rest hab ich mir einfach abgeschüttelt. Dieses befreiende, entlastende Gefühl ist so amazing!

Herrenloser Herrentag

Anfangs wollten Sid und ich an unseren gemeinsamen freien Tag picknicken, aber wir mussten uns mal wieder in die Haare kriege, also ist vorerst jeder seine Wege gegangen. Er zu seinen Kumpels und ich in Garten zu meiner Familie, aber alles was an Familie da war, war meine Mutter, die ihre Blumen eingepflanzt hat. Die anderen waren an der Malge und haben so eine Art Familientreffen Mützke abgehalten. Also saß ich eine Weile auf meinem sonnigen Platz auf der Wiese und beobachtete Muddern beim Arbeiten und wie Polly immer wieder durch die Beete rennt. Muddern nervte es und mich amüsierte es. Zum Kaffee kam meine Oma denn noch. Sie war auch allein, weil ihr Lebensgefährte im LKW geblieben ist. Hätte sich für ihn nicht gelohnt. Verlassen von unseren Männern, feierten wir einen herrenlosen Herrentag. Und die Kuchen waren spitzenklasse.

Erfolgreicher Alltag

Ich hab mir gerade die Haare gefärbt und Polly guckt wieder aus dem Fenster und gibt so ein knurrendes Bellen von sich. Ich hab mir dieses eine dunkles Lila geholt, anstatt schwarz-rot. Mal sehen was da raus kommt. Carina aus meiner Klasse hat auch diesen Farbton, aber bei ihr wird es um einiges heller sein. Polly ahnt noch nicht, dass sie heute eine Impfung bekommt, denn sobald ich mir die Haare ausgewachsen habe, werde ich mit ihr zum Tierarzt gehen, um sie gegen Tollwut impfen zu lassen. Ich werde zwar Leckerli mitnehmen, aber es wird ihr trotzdem nicht gefallen. Zumindest hat sie noch keine schlechten Assoziationen zum Tierarzt, denn beim letzten Besuch habe ich mir Flohmittel geholt und sie wurde sie lediglich gewogen. Da war sie noch ganz klein und wog gerade mal 2,5 kg. Sören und Ranger begleiten uns nachher, denn kann ich gleich mein Rock von der Arbeit abholen und dann habe ich endlich alles an Arbeitsklamotten. 

Gestern war ein erfolgreicher Tag. Bis zur Schule ging ja alles gut. Ich kam zwar etwas zu spät zur Schule, weil Carina mich noch bat ihr Frauenkram mitzubringen. Aber ich war mir ein paar Minuten zu spät. Auf dem Weg zum Bioraum kam oh am Vertretunhsplan vorbei, der mir verriet, dass Mathe ausfällt. Das war gestern mein Highlight des Tages. Die Stimmung in der Klasse war bombig und für meinen Vortrag bekam ich eine Eins. Wegen dem Ausfall war ich schon um 19:30 Uhr zu Hause und konnte Bob’s Burgrs gucken: der absolute Hamma! Ich denke ich werde mir ein Fanshirt mit Louise drauf kaufen. Gestern war ein voller Erfolg und heute hat auch nicht schlecht angefangen.

On Tour von 8 bis 23 Uhr

Mir ist kalt und trotzdem schwitze ich. Das ist doch kacki! So ist das, wenn ich nicht weiter kiffe. Sid und ich haben gestern Schlüppatach gemacht, also den ganzen Tag gezockt, gegessen und gekifft. Der Tag war echt chillig, aber so fing er nicht an. In der Nacht von Samstag zu Sonntag haben meine – wie Sören sie gerne betitelt – Erdbeertage eingesetzt. Ich würde wach und innerhalb einer Minute entwickelten sich üble Unterleibsschmerzen. Am Morgen wurde ich mit echt pissiger Laune wach und dachte, dass der Tag im Arsch ist. Doch so war es nicht. Sid blieb lieber bei mir, als mit seinen Kumpels zu skaten. Er wollte sogar meine schlechte Laune über den ganzen Tag hinnehmen und das rechne ich ihm sehr hoch an. Nachdem wir mit Polly unten waren, hat er unseren ersten Joint gebaut. Ich zog zwei-, drei Mal dran und meine Menstruationsbeschwerden waren im nullkommanichts wie vom Winde verweht, mehr oder weniger buchstäblich. Sid hat mit seiner Anwesenheit und Fürsorge meinen Sonntag gerettet.

Heute war ein ausgefüllter Montag. Um neun Uhr hatte ich einen Termin beim Arbeitsamt. Der Pflichtbesuch, das Übliche. Aber mein letzter, denn ab dem möchten Halbjahr kriege ich Bafög und bin das Assiamt los. Danach musste ich mich um das VHS Kursbuch für meine Oma kümmern. Sie hat ein Tag vor Nikolaus Geburtstag und meine Eltern und ich schenken ihr einen Abendkurse, den sie sich selbst aussuchen kann. Ich rief die Volkshochschule an, um herauszufinden wo ich diese Hefte herkriege. Die Dame am anderen Ende der Leitung informierte mich darüber, dass das neue Heft am Sonntag in der Zeitung sein wird, somit ist es pünktlich zur Feier da und ich musste mich nicht bewegen. Sid hat heute noch den Gutschein an sich gestaltet. Als ich wieder zu Hause ankam, musste Sid los zur Arbeit und ich vegetierte vor mich hin. Mir war langweilig und ich wusste nicht was ich tun soll. Die Wohnung ist etwas chaotisch, aber auf Aufräumen hatte ich keine Lust. Ich versuchte Stuart anzurufen, aber er drückte mich zweimal nacheinander weg. Zuerst dachte ich mir: Hallo! Gibt es etwas Schöneres, als von mir geweckt zu werden?! Ungefähr zehn oder fünfundreißzig Minuten später rief er zurück und sagte, dass er beim Sozialpsychiatrischen Dienst war, um sich mit einer Sozialarbeiterin zusammen zu tun. Stuart war also nur auf der anderen Seite des Flusses. Könnte ich durch Häuser gucken, hätte ich ihn sogar aus meinem Küchenfenster sehen können. Also kam er rum und wir quatschten bis um eins. Wir gingen zusammen los und er begleitete mich noch zum Bäcker, um auf Polly aufzupassen, während ich Sid was zu essen holte, denn er nahm nichts mit. Stuart radelte los und ich brachte Sid sein Baguette. Danach kam er mit in die Galerie, um die Geburtstagsgeschenke für meine Schwestern zu besorgen, denn die haben auch noch vor Weihnachten Geburtstag, sowie auch mein Stiefvater. Drei Geburtstage, wovon einer doppelt zählt, weil meine Schwestern Zwillinge sind und das vor Weihnachten. Boom! Außerdem ist am Samstag nicht nur Omas Geburtstag, sondern auch die Weihnachtsfeier von unserer Jugendbrigarde ist. Dazu gehören Oma mit Franz, Sören, ich und andere Bekannte aus der Gartensparte. Wir treffen uns einmal im Monat zum Bowlen und machen Ausflüge, wie ein Verein, bloß ohne Wettkämpfe oder sowas. Alles nur zum Spaß. Wir gehen alle hier in der Stadt brunchen, also habe ich es nicht weit. Am Sonntag ist dann auch noch die Weihnachtsfeier der Gartensparte.

Sid ging zurück ins Studio und ich zurück nach Hause. Dann musste ich mir die Haare waschen, abwaschen, Schultasche packen und meine Aggressionen bei meinem Interbetanbieter rauslassen, weil ich seit Vertragsabschluss monatlich fünf Euro für ein Antivirusprogramm bezahle, dass ich nicht nutze, nie bestellte oder dafür unterschrieb, ja nicht einmal darüber informiert wurde. Letztlich bekam ich das Geld gutgeschrieben und muss die Nächten Monate erstmal nichts bezahlen. Anschließend für ich los zur Schule. Es nieselte erst etwas stärker und Windböen kamen in Schüben. Schon am Morgen auf dem Weg zu Amt erfasste mich ein Windstoß, als ich hinter einem Auto über die Straße fuhr. Er war kurz und heftig, sodass ich fast gegen das Auto knallte. Bis ich bei Rewe ankam, würde das Nieseln zu leichten Regen, der durch den Wind ins Gesicht peitschte. Ich holte meine Verpflegung und fuhr weiter zu Phillip’s. Da holte ich Leckerlies und ein neues Spielzeug für Polly. Von da aus fuhr ich zum Garten, um das Rad abzustellen, denn der Wind stieß mich drei Mal in Richtung Straße. Der Garten ist nur zehn Minuten zu Fuß von der Schule entfernt, wo ich ein paar Minuten zu spät ankam. Chantal nahm mich nach der Schule mit und setzte mich bei meinem neuen Pharmazeutiker ab, denn der andere, der immer lieferte wird wohl vier Jahre, wenn nicht noch länger außer Betrieb sein. Der wohnt circa elf Minten zu Fuß entfernt von mir. Dann war ich endlich wieder zu Hause und freute mich auf mein Bett. 

Heute habe ich zwar den ganzen Tag nicht gekifft, nun ja … bis jetzt, aber dafür habe ich auch nicht daran gedacht was zu essen. Erst in der Schule aß ich meine Verpflegung, doch nur aus Gewohnheit. Ohne Gras auch kein Appetit. Das ist genauso kacki, wie zu schwitzen, wenn man friert. Bisher konnten die Ärzte noch nicht herausfinden, warum ich kaum zunehme und mein Körper mir nicht sagt, wenn er Nahrung benötigt. 

Eine eindeutige KopfKlatsch Situation

Mir kam gerade etwas in den Sinn. Und zwar eine Frage, die ich letzte Woche bei gf gelesen habe. Der Fragesteller beschrieb seinen Klamottenstil und schilderte seine Einstellung dazu. Des Weiteren erkundigte es sich über Outfits der Community und bat um Meinungen zur altersgerechte Kleigung und ob man eher mit der Mode geht oder sein eigenes Ding durchzieht.

Er leitete seinen Beitrag mit ein paar Zeilen über den Auslöser zu der diesen. Darin erwähnte er sein Alter und seinen Konflikt mit altersgerechter Kleidung. Im nächsten Absatz stellte sich heraus, dass er seit (so pi-mal-Daumen) zwanzig Jahren denselben Teen-Style trägt. Seine modische Stilentwicklung stoppte praktisch nach Stimmbruch und Pubertät. Der etwas über dreißigjährige Fragesteller beendete diesen Absatz mit dem Argument, dass er sich nie vorstellen könne sich anders zu kleiden.

Somit steht fest, dass seine Stilentwicklung bereits vor der Pubertät auf Autopilot umstellte. Das ist schon ziemlich früh. Die Pubertät ist ein wichtiger Abschnitt für die individuelle Stilentwicklung. Somit haben wir einen etwas über dreißigjährigen Fragesteller mit einer pubertierender Stilentwicklung. Das nenn‘ ich doch mal ’nen Generationskonflikt. Man vs. Boy!  Fakt ist, dass Boy bereits vor der ersten starkprägender Phase auf Autopilot schaltete und ließ es einfach laufen. Man verlangt nach optischer Weiterentwicklung und Boy ist voll von jungendlicher Neugier. Ein weiterer Fakt ist, dass keiner von Beiden einen Plan hat. Weder Man, noch Boy hat hat eine brauchbare Erfahrung. Anschließend veranlasste mich meine erster Betrachtungsweise zu seiner Einstellung zum an Kopf klatschen. Ich fragte mich so: „allen Ernstes“? Warum erkundigt sich jemand nach Eindrücken der Modewelt und Outfits, wenn er doch unmissverständlich schrieb, er könne sich eh nie vorstellen sich anderes zu kleiden. Dies unterstrich er noch mit einem Argument, welches seine Überzeugung dem Style betont. Er steht zu seinem Style und verbindet damit ein Teil seiner Identität. Boy verteidigt sein Äußeres und lässt den Halbstarken raushängen. Andererseits ist er aber auch unsicher und hat vielleicht sogar etwas Schiss vor dem noch Unbekanntem. Ohne stil- bzw. altersentsprechende Austauschpartner muss Boy ganz schön viel allein bewältigen. Dem Man geht es ähnlich, auch er hat keinen gescheiten Ansprechpartner und empfindet das große noch Unbekannte als unangenehm. 

Man und Boy sind gleichermaßen hin und her gerissen. In seinen ersten Zeilen zitierte der Fragesteller seinen Vater, der den Teen-Style ansprach und rhethorisch nachfragte, ob er nicht langsam zu alt dafür wäre. Klar, dass er die Stilentwicklung boykottiert. Seine Planlosigkeit der Mode gegenüber lässt Boy an den Autopiloten, genau wie die Ungewissheit bei Man.

Meine zweite Betrachtungsweise machte mir klar, dass der KopfKlatsch nur wegen meiner verlangsamten Hirnaktivität zustande kam. Oh ja, she’s so high …

So kann’s gehen. Da lese ich einen Beitrag zu Modefragen, dessen Beantwortung besser nicht mir überlassen werden sollte. Ich würde wohl etwas abschweifen.