Und täglich grüßt die Fickscheiße!

Man echt! Ich will einfach nur mein Leben genießen und mich auf das konzentrieren, was mir Freude macht und wichtig ist, aber anstattdessen ärgert mich die Beziehung Tag für Tag, zumindest seit einer Woche. Sid führt sich auf wie ein Kotzbrocken und ich bin natürlich der Grund dafür. Mein Leben läuft gut, ich kann mich nicht beschweren, abgesehen von dem Thema Beziehung, die fickt mich einfach nur und zerrt an meinen Nerven. Immer nur Streiterein und Sturheit. Ich hab kein Bock darauf ständig in eine Tretmine zu laufen und dann auch noch die Schuld dafür zu bekommen. Ich weiß nicht, ob das noch Sinn macht oder ob ich das noch will. Keine Ahnung! Mir sagt jeder Instinkt, dass ich alleine besser dran bin und denn ist da noch eine kleine Stimme, die sagt, dass ich es nicht aufgeben soll. Der Kampf zwischen Kopf und Herz. Das ist die größte Fickscheiße, die ich in meinem Leben je kennengelernt habe. Neben dieser übel stinkenden Fickscheiße wird jede andere Fickscheiße übersehen. Das ist so belastend! Warum können Verstand und Gefühle sich nicht einfach einig sein? Wahrscheinlich ist das der Knackpunkt zwischen Liebe und wahrer Liebe. Aber ganz ehrlich, ohne Liebe geht es dem Verstand besser und der Liebe geht es ohne Verstand besser. Man muss sich wohl für eins entscheiden, um selbst von grundauf glücklich leben zu können. Mit der bedingungslosen Liebe zu Polly habe ich nie Probleme, nein, sie bereichert mein Leben ungemein, aber die Liebe zu Sid hat sich im Laufe der Zeit verwandelt …

Dummes Stück Scheiße!

Mein Tag hat ja mal wieder super angefangen. Ich stehe auf, will mit Polly runter gehen und bevor ich das geschafft habe, würde ich lauthals angeschrien, runter gemacht und als größte Fotze aller Zeiten hingestellt. Planlos und verängstigt habe ich ein paar Sachen in mein Rucksack geschmissen und bin mit Polly zu Oma gegangen. Da bin ich jetzt immer noch und Sid stresst mich mit unzähligen Whatsappnachrichten und -anrufen. Der Bengel sieht echt nicht mehr durch. Immer wieder soll ich ihm vergeben. Ich könnte echt kotzen. Er ist so ein pubertierender Idiot, so dumm und uneinsichtig. Er braucht mal eine Klarkommschelle, eine die ihm Verstand ins Hirn prügelt! 

Das lange Wochenende

Montag war Feiertag, also hatte ich vier Tage Wochenende. Naja, nicht ganz, denn Sonntag musste ich arbeiten. Freitag war der erste Tag meines Wochenendes. Sid kam nachts zurück aus seinem Bauerndorf und ich habe ihn als Überraschung vom Bahnhof abgeholt. Darüber hat er sich gefreut, doch ab Samstag verlief es zwischendurch etwas holprig. Ich merke, dass ich an meiner Vergangenheit gewachsen bin. Irgendwie fühle ich mich reifer. Keine Ahnung wie genau das gekommen ist, aber mir fällt es jetzt leichter über gewisse Dinge zu stehen. Kleinigkeiten, Kinderkacke, wie auch immer. Bevor ich zu sehr hoch fahre, schaffe ich es mich zusammen zu reißen. Das führt dazu, dass unsere Streits nicht mehr eskalieren und wir uns früher wieder einkriegen können. In Sachen Beziehung war ich noch ziemlich unerfahren und ich hatte Angst die Beziehung und die Liebe meines Lebens zu verlieren, aber jetzt scheint die Sonne endlich wieder.

Am Samstag haben wir einen neuen Fernseher bekommen … für umsonst! Haha, der Hamma! Meine Eltern haben sich einen neuen 3D Fernseher gekauft und der Alte wurde mir überlassen, inklusive Lieferung 😏. Das ist ein cooles Gerät. Wenn ich meine Arme vollkommen ausstrecke, komme ich gerade von der einen zur gegenüberliegenden Ecke. Einfach wow. Außerdem brauche ich jetzt keinen Reciever mehr, das heißt: ein Stromfresser weniger. Und erst die Bedienung. Der Fernseher erkennt die PlayStation und die kann ich mit der Fernbedienung anmachen, ausmachen und steuern, ganz bequem. Was für ein Luxus. Verantwortlich dafür ist das Aquos System auf dem TV.

Am Sonntag musste ich zwei Mal arbeiten. War ganz entspannt, zumindest das erste Mal. Bei der zweiten Vorstellung, war ganz schön was los. Der Künstler hatte Geburtstag und hatte selbst geladene Gäste. Die saßen an Tischen vor der Bühne. Schon zwanzig Minuten nach Beginn sind ständig welche aufs WC gegangen. Nach einer Stunde sind die ersten bereits gegangen und bis zum Ende der Pause war ein ganz schöner Schub weg. Die Kritiken wiederholten sich von Gast zu Gast: der trifft keine Töne, das Orchester ist nicht aufeinander abgestimmt, zu viele Genrès durcheinander und dass man sich fühlte, als wäre man nur das fünfte Rad am Wagen seiner Geburtstagsfeier. Ein großer Kritikpunkt war die Akustik, die eher als unangenehmer Lärm beschrieben wurde. Das kann sogar ich bezeugen, wobei ich die ganze Zeit nur außerhalb des Saales war. Es war weitaus lauter als sonst und die Disneynummern waren grauenhaft. Er hat einfach geschrien an gewissen Stellen, anstatt melodisch laut zu singen. In der zweiten Hälfte musste ich sogar den Notarzt rufen. Plötzlich kam eine Dame rausgestürmt, was uns im ersten Momemt nicht verwunderte, denn die Tür ging ja ständig auf. Doch sie rief nach Hilfe, ob jemand da ist. Wir drei sprungen auf, mein Kollege ist gleich rein, meine Kollegin mit ein Glas Wasser hinterher und ich sollte die 112 wählen, doch ich war so aus der Bahn geschmissen, dass ich erstmal mit der 120 versucht. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ und ich sö hää? Dann wurde es mir klar und die Dame aus der Notrufzentrale durchlöcherte mich erstmal mit Fragen bezüglich des Bewusstseins, der Atmung und vielleicht noch was. Panik verursacht Filmrisse, zeigt sich auch später im Gespräch nochmal. Die Dinge wusste ich nicht, doch ich konnte sie schnell rausfinden. Dann haben wir die Standortfrage geklärt und zum Schluß wurde mir noch eine wiederbelebende Maßnahme erklärt, auf die ich zurückgreifen sollte, falls ein Herzstillstand eintritt. Sie erklärte es mir mit der Aufforderung Ruhe zu bewahren, dann sagte ich, dass wir einen Defibrillator haben, wozu sie nur sagte: „na das ist ja noch besser“. Ich weiß auch, dass da eine Anleitung dabei ist, aber ich kann mich bis jetzt nicht daran erinnern, was sie mir erklärte. Das lässt meine Kinnlade runterklappen.

Den letzten Tag des langen Wochenendes verbrachte ich faulenzend mit Sid. Zwischendurch war ich genervt, weil ich gern noch ein paar Tage länger faulenzen würde, aber übernächste Woche sind schon wieder Ferien.

Indianerkraut 

Heute vor der Schule sind Lennox und ich zu unserem örtlichen Headshop am Steintorturm gegangen, einfach nur so. Ich wollte nur mal gucken, aber bei der Gelegenheit habe ich mir gleich Filter Tips und Applepapers geholt, also Drehpapier mit Apfelgeschmackt. Wir haben auch etwas mit der Besitzerin gequatscht, nachdem sie damit fertig war, Polly anzuhimmeln. Sie musste sich an einen ehemaligen Hund von sich erinnern, der auch ein Jack Russell-Shih Tzu Mischling war. Wie die Besitzerin heißt, weiß ich nicht, aber sie hat eine einladende und sympathische Persönlichkeit. Nachdem Wuffigerede, kamen wir auf das Thema Kiffen. Ich frage was da so alles rum steht und wurde kompetent beraten, dazu auch noch sehr freundlich. Ich weiß jetzt was genau Blunts sind und, dass es Tabak ohne Tabak gibt. Mich nervt es schon seit längerem, dass ich Tabak zum Kiffen brauche. Ich rauche auch Pursticks, aber das ist weniger cool, denn ich spüre den Qualm im Hals nicht und das stört mich. Mit Vaporizer habe ich es auch schon probiert, Lennox benutzt einen, aber das ist auch nicht so mein Ding. Tabakjoints finde ich am besten, aber Teer und Nikotin sind weniger toll. Das nervt mich schon seit ein Weilchen, denn Zigaretten rauche ich mir noch selten. Eigentlich nur noch, wenn ich in der Schule oder bei der Familie bin. Unterwegs zu rauchen ist mir eh irgendwann zu blöd geworden. Das wirkt irgendwie lodderig und als hätte man es echt nötig. Außerdem ist es mir unangenehm Passanten versehentlich anzupusten, besonders bei Kindern ist es kacke, wenn die durch eine Qualmwolke laufen. Und ich hasse es, die Kippe einfach so auf die Straße zu werfen. Mülleimer sind nicht überall und ich hab auch kein Bock ’nen Aschenbecher umherzuschleppen. Die Liebe Frau vom Headshop hat mir eine Tabakalternative vorgestellt, von der sie bereits viele gute Feedbacks erhielt und persönlich auch davon begeistert ist. Es geht um Knaster Kräutermischungen. Auf der Packung steht, dass es aus Naturkräuter besteht, die nach indianischer Tradition zusammen gestellt wurden. Diese Mischungen wurden angeblich auch bei Ritualen geraucht oder geräuchert. Klar würde ich neugierig, also habe ich eine Packung mit Kirschgeschmack zum probieren mitgenommen. Es gab unter Anderem auch Whisky und Hanf war leider vergriffen.

Noch vor der Schule habe ich die Kräuter ausprobiert. Es war grundsätzlich etwas herber, aber es raucht sich wie Tabak. Viel mehr kann ich noch nicht so wirklich sagen, denn ich hab mich einfach darüber gefreut, dass es dem Tabak so nahe kommt. Ich werde natürlich noch online recherchieren, was genau das ist und wie es Einfluss auf die Gesundheit nimmt. Doch zunächst freue ich mich über die neuste Entdeckung und ich bin schon gespannt, was Sid dazu sagt. So ziemlich genau in zwei Tagen kommt er endlich wieder zu Hause an und ich freue ich mich schon auf ihn, auch wenn ich ihn nicht wirklich vermisst habe.

Schön lässig

Noch vor Stundenbeginn, kam die Neuigkeit mit den letzten Klassenkameraden in den Raum: KURZSTUNDEN! Fetti-Bumbum riss vor Freude die Arme in die Luft und die anderen jubelten. Echt Fett! Schulisch gesehen wird die Woche also ganz entspannt und beziehungstechnisch auch. Wenn Sid nicht hier ist, können wir auch nicht so viel streiten. Gerade haben wir telefoniert und das Gespräch verlief gesittet und friedlich. Scheinbar fängt er endlich mal an sich zusammen zu reißen. 

Meine Füße hatten sich noch gar nicht ganz erholt und heute tun sie gleich wieder weh. Ich bin schon wieder ganz schön geschafft. Doch die Woche sieht gut aus. Es steht kaum was an. Ende der Woche muss ich einkaufen und ansonsten nur Schule. Das lacht mein Herz: mehr Zeit zum kiffen und zocken. Hoffentlich kommt meine irdische Hülle wieder richtig zu Kräften, dass ich nicht jeden Abend völlig ko im Bett liege. Das hat man nun davon, wenn man den Großteil der Ferien chillend verbringt. Naja, das wird schon wieder, schließlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier. 

Als ich vorhin mit Polly auf dem Rückweg des Spaziergangs war, hielt ich ein Moment inne und genoss den süßen, warmen Spätsommerhauch, der mich wie riesige, seidene Blütenblätter umarmte. Das ist der liebliche Vorgeschmack des durchwachsenen Herbstes. Die schönste Zeit des Jahres.