So ein Sonntag

Meine Augenlider sind schwer wie Blei und auf der Arbeit fühle ich mich völlig überflüssig. Es ist Theaterfrühstück und wir sind zu zweit da. Die Obereinlassdame und ich. Es wurden gerade einmal fünf Jacken abgegeben. Dann muss ich heute noch die Facharbeit schreiben und Hunger habe ich auch. Zum Glück ist gleich Feierabend.

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Angepisst

  
Bislang war mein tag eher reudig, als lebenswert. Reudig wie das Kondom, das an einer Bank hängt. Den Vormittag habe ich wieder damit verbracht mich mit Sid um Kopf und Kragen zu diskutieren. Ich war so angepisst! Angefangen hat alles mit dem Wachwerden. Sobald mein Unterbewusstsein geht, kommt mein Bewusstsein und scheinbar ist es das was mich jeden morgen ankotzt, denn ich habe fast jeden Morgen sone Laune. Nicht weil ich es will, sondern weil es einfach so ist. Dabei erfreut es mich, wenn ich die Vögel zwitschern höre, das Tageslicht meine Bude erhellt und Polly mich wach kuschelt. Und trotzdem ist meine Stimmung mies. Heute hat es mich noch angekotzt, dass Sid das Fenster nicht zu gemacht hat, als er aufgestanden ist. Gestern hat er es auch schon vergessen, aber das hat mich nicht aufgeregt, also wollte ich es auch erst erwähnen, wenn ich mit Polly spazieren war. Solange konnte ich es aber leider nicht herauszögern, denn Sid fragte vorher schon, ob alles ok sei und er mag es nicht, wenn ich sage, dass alles ok ist, obwohl es nicht so ist, also sagte ich es ihm genauso aggro wie ich drauf war, was ich verhindern wollte. Diese Situation wurde nach dem Spaziergang mit Polly wieder zur Katastrophe. Wir versöhnten uns zwar wieder, aber ich war weit gestresster als ursprünglich.

Als er dann zur Arbeit ging wollte ich mich wieder beruhigen, doch dann kam Sören. Er verabredete sich gestern mit mir, um ein paar Möbel in meiner Stube umzustellen. das Sofa sollte nur auf die Seite gestellt werden, wo das Sideboard und die Meerschweinchen stehen und der Kram sollte dahin wo das Sofa steht … oder besser stand, denn ich habe alleine umgeräumt, was ganz gut war, denn so konnte ich meine ganze überflüssige Energie los werden. Sören ist lieber mit seiner Ficke nach Ikea gefahren, wo ich gerne mitgefahren wäre, aber das wäre es nicht möglich gewesen, weil ich demnächst zur Schule muss. Abgesehen davon hat er nicht mal abgesagt. Ich fand es scheiße gerade von ihm sitzen gelassen zu werden und das habe ich ihm auch gesagt. Ist ja alles halb so wild, aber zu dem Zeitpunkt hätte ich schon wieder alles kurz und klein schlagen können.

Neben dem sozialen Stress, saß mir noch die Facharbeit für Geschichte im Nacken. Nächsten Dienstag muss ich die abgeben und habe noch kaum was in Worte gefasst. Eben konnte ich ein wenig abarbeiten, zufrieden bin ich damit noch nicht, noch lange nicht. Ich hoffe nur, dass ich alles rechtzeitig schaffe. Vielleicht zieh ich durch am Wochenende, hab mir gestern schon Sternschnuppenstaub geordert. Allerdings habe ich nicht so wirklich Lust drauf, andererseits schon. Ich weiß auch nicht, bin da etwas hin- und her gerissen.

Was die Drogen angeht, habe ich mir vorgenommen erstmal etwas kürzer zu treten. Ob ich es schaffe ist die zweite Frage, aber ich bin zuversichtlich, denn jetzt mit dem neuen Nebenjob muss ich mehr Verantwortung tragen und das ist auch ganz gut so. Gestern habe ich meine letzte Mische weggeraucht und werde mir die Woche über auch nichts neues holen. Gerade das Gras liegt finanziell immer schwer im Gewicht und ich würde so gerne mal Koks ausprobieren. Sören hatte am Wochenende die Möglichkeit dazu und schwärmt jetzt davon.

Nun ja, jetzt muss ich gleich los zur Schule. Lust habe ich nicht, aber immerhin hat sich meine Laune wieder stabilisiert.

Alte Sehnsüchte

Heute bin ich wieder arbeiten. Es ist Sinfoniekonzert und ich wäre am liebsten in der Vorstellung, aber ich höre hier draußen zumindests gedämpfte Klänge. Das Publikum besteht zu 90 % aus Rentern, die alle ganz gemütlich sind. Aber als hier alle gekommen sind, war es die reinste Parfüm Parade. So viele süße Gerüche. Wovon einige ziemlich in der Nase gestochen haben. Dann war da noch ein anderer Gast. Sie ist mit ihrem Sohn da und heißt Frau Sichel. Damals war sie meine Englischlehrerin und wir sind gut miteinander ausgekommen. Frau Sichel ist nicht nur verdammt cool, auch sehr anziehend. Ich hab mich damals in sie verschossen. Sie war die erste Frau, in die ich verguckt habe. Mir war klar, dass ich nicht die geringste Chance habe, denn sie ist verheiratet und zwei Kinder, deswegen behieltich es für mich, ließ mir nichts anmerken und genoss jeden Moment in ihrer Gegenwart. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass wir uns mal in der Stadt trafen. Sie sah mich und sprach mich an. Wir quatschten kurz, gingen noch gemeinsam in ein paar Läden und dann fuhr sie mich in ihrem dunkelgrünen Ford Focus nach Hause. Sie tat es von sich aus, keine Ahnung warum, aber ich bemerkte, dass sie mich mag. Wir tauschten sogar unsere Mailadressen und schrieben uns ab und zu. Heute erkannte sie mich wieder die eingeschlafenen Gefühle von damals wurden sofort wieder wach. Klar, sie ist etwas älter geworden, aber kein Stück weniger attraktiv. Am liebsten wäre ich vorhin gleich übern Tresen gesprungen, um sie in die Arme zu nehmen, aber das wäre wohl etwas komisch gewesen. In der Pause konnte ich auch ein kurzen Blick nach ihr erhaschen und ich hoffe, dass ich ihr nachher ihre Jacke zurückgeben kann. Jetzt fängt sie – wie auch schon damals – wieder damit an mir die Gedanken zu rauben. 

Ansonsten war die Woche doof, denn ich war nur Montag in der Schule. Ich bereue es einerseits schon wieder, andererseits aber auch nicht. Ich muss mein Drogenkonsum besser planen, dass die Schule nicht drunter leidet. Nächste Woche muss ich durchziehen, ohne Widerrede! Meine Disziplin ist für’n Arsch, wenn ich so depressiv bin. Ich kann nicht aufhören an Frau Hegersdorf zu denken, immer noch nicht. 

Die Arbeit

Die Gäste haben ihre Jacken abgegeben und schauen sich jetzt „Mein Leben als Tod“ an. Knapp vierhundert Leute sind da. Die Arbeit ist ganz chillig. Im Endeffekt hänge ich nur Jacken auf, verteile nummerierte Marken, kassiere Hartgeld und dann nehme ich die Marken wieder entgegen und verteile die Jacken. Zu meinem Job gehört auch der Einlass, also Karten einreißen und Platz lokalisieren. In der restlichen Zeit sitze ich rum, kann rauchen gehen, mit dem Handy spielen, lesen und essen oder was auch immer machbar ist. Ich darf auch Besuch empfangen, zumindest hat niemand was dagegen, wenn man sich auf dem Hof zum Rauchen trifft. Alles ganz entspannt. Man darf sich sogar während der Aufführung zeitweise reinstellen und zuschauen. 

Gestern war ich bis 23 Uhr da, heute muss ich nur bis 22 Uhr. Außerdem habe ich bereits gestern meinen Arbeitspläne für März bekommen und ich muss nächsten Monat 20,5 Stunden arbeiten, die sich auf sechs Tage verteilen. Alles easy cheesy lemon squeezy! Einfacher kann man sich sein Drogengeld doch nicht verdienen. Jetzt werde ich gleich eine rauchen gehen. Hab gerade ein Haufen Skizzles genascht.

Der erste Arbeitstag

Heute muss ich zum ersten Mal im Theater arbeiten. Um 18 Uhr fange ich an und Emilia hat mich schon darauf vorbereitet, dass es länger geht. Um 19:30 Uhr fängt die Dreigeoschenoper an und ich muss bleiben bis jeder seine Jacke abgeholt hat. Außerdem hat sie mich vor den anderen Damen vorgewarnt, dass ich aufpassen soll was ich alles erzählen, denn die verdrehen gerne mal Tatsachen, aber ich werde mir erstmal selbst ein Bild von den Damen machen. Ich freue mich irgendwie auf den neuen Job und darauf neue Leute kennenzulernen. Außerdem habe ich mal wieder was zu tun. Zwar nichts sonderlich aufregendes, aber immerhin etwas, das Abwechslung in den Alltag bringt. Bezahlt werde ich nach Stunden, also wird mein Lohn von Monat zu Monat schwanken. Ich kriege 8,50 € die Stunde, wenn ich mich nicht irre ist das der Mindestlohn. Mal sehen was da monatlich so zusammen kommt. Diesen Monat kriege ich nur anteilig bezahlt, weil ich ja erst heute anfange und Zahltag soll immer am 25. sein. Ich bin echt gespannt auf später, aber bis dahin muss ich mir noch die Haare waschen, Fingernägel pflegen und mit Polly raus gehen. In der übrigen Zeit werde ich noch meine Handygames zocken und kiffen. Drei Stunden bleiben mir ja noch.