Schnäppchen!


Heute Vormittag hab ich mich mit Oma getroffen und wir sind zum Scotti-Netto einkaufen gegangen. Ich geh da gerne hin. Manchmal spendiere ich Oma ein Kaffe und sie setzt sich draußen mit Polly hin und wartet. Ich würde sie nicht irgendwo anbinden, wo ich sie von drinnen nicht sehen kann. Schließlich ist sie obersüß und ich misstraue den Menschen zu sehr. Sie soll schließlich nicht gekidnappt werden. Aber zurück zu den Schnäppchen. Ich habe zwei Handtücher mit passenden Waschlappen für insgesamt 4 € gekauft. Die Handtücher kamen reduziert je 1,50 € und die Lappen je 0,50 €. Dann ist da noch der 10er-Pack Schnellhefter für gerade mal 25 Cent und Super-Kleber für je 74 Cent. Zu guter Letzt noch eine Malschürze für 75 Cent. Das ist doch der Hamma. Ich steh‘ auf Schnäppchen, ja ich freue mich darüber, wenn ich Nützliches zum Spottpreis kriege. Natürlich rede ich dabei nicht von Schrott, der nur eine Lebensdauer von ein-zwei Jahren hat. Sollten die Handtücher zerreißen, kann man sie noch zum Putzen verwenden, aber ich brauche nicht irgendwelchen Ramsch zum Dekorieren oder so. Abgesehen von Hundekram, denn zu sehen wie Polly sich über Leckerlies, einer neuen Decke oder Spielzeug freut, ist unbezahlbar. Und was noch unbezahlbar ist, ist die Dummheit der Konsumgesellschaft. Wofür die Leute alles Geld verschwenden. Das ist unglaublich. 

Hurra, hurra…


…mein neues Handy ist da! Nachdem die Post sich wieder hat feiern lassen, ist es heut endlich angekommen. In der Zeit des Wartens habe ich Alligatoahs Postsong gefeiert und heute, als die SMS von Mutti kam, bin ich losgeradelt wie eine Bekloppte. Der Postmann war gerade mal in der nächsten Straße, als ich an ihm vorbei bin. So schnell hat mein alter Drahtesel schon lange nicht mehr bewegt. 

Irgendwie bin ich erleichtert. Außerdem bin ich froh, dass all meine Fotos und Kontakte zurück hab. Ein paar meiner Spielstände sind weg, aber das ist nicht weiter schlimm. Ich lad mir einfach neue Spiele runter. Außerdem werde ich mir nächsten Monat ein neues Pokémon Spiel holen. Welches genau weiß ich noch nicht, aber mein Favorit ist die Perl Edition. Mit meinem iPhone ist meine Welt wieder ein Stück bunter geworden, buchstäblich. Mutti hat mir sogar farblich passende Kopfhörer bestellt, die sind echt bombe. 

Mittlerweile bin ich müde und werde jetzt nur noch etwas durchs Programm seppen und wenn nichts läuft ein Film reinmachen, meine Kaltschale löffeln und meine Jolle in Asche verwandeln. Hokuspokus Gute-Nacht-Kuss.

Herrenloser Herrentag

Anfangs wollten Sid und ich an unseren gemeinsamen freien Tag picknicken, aber wir mussten uns mal wieder in die Haare kriege, also ist vorerst jeder seine Wege gegangen. Er zu seinen Kumpels und ich in Garten zu meiner Familie, aber alles was an Familie da war, war meine Mutter, die ihre Blumen eingepflanzt hat. Die anderen waren an der Malge und haben so eine Art Familientreffen Mützke abgehalten. Also saß ich eine Weile auf meinem sonnigen Platz auf der Wiese und beobachtete Muddern beim Arbeiten und wie Polly immer wieder durch die Beete rennt. Muddern nervte es und mich amüsierte es. Zum Kaffee kam meine Oma denn noch. Sie war auch allein, weil ihr Lebensgefährte im LKW geblieben ist. Hätte sich für ihn nicht gelohnt. Verlassen von unseren Männern, feierten wir einen herrenlosen Herrentag. Und die Kuchen waren spitzenklasse.

Ferienkonsum

Am liebsten würde ich jetzt Sternschnuppenstaub schniefen, ich hab sogar noch was da, aber Sid schläft schon eine Weile und ich bin noch wach, weil ich mir zwei Teile hintergeschmissen habe. Ohne Sid zu stören habe ich meine Ausrüstung leise geborgen und ins Bad verschleppt. Hoffentlich endet nicht alles wie am Mittwoch. Es lief was schief, obwohl es mir so ganz gelegen kam. Ich sollte Mittwochmorgen hier vom Hauptbahnhof losfahren, um meinen Vater zu besuchen. Die Tickets waren schon organisiert und alles bezüglich meiner Reise abgeklärt. Am Montag schmissen Sören und ich, es sind schließlich Ferien und ich machte zu Dienstag mit Hilfe von Sternschnuppenstaub durch. Übern Tag war alles gut, erst am Abend wurde mir im Minutentakt übler. Ich habe natürlich nicht dran gedacht zwischen dem E-Trip und Sternschnuppenstaubexpress was zu essen. Dienstagabend wurde es dann mein Verhängnis, denn meine Magengegend streikte und schickte die Galle an die Front. Abends wurde es nur schlimmer und am nächsten Morgen schien alles wieder gut, zumindest während der ersten paar Schritte nach dem Aufstehen. Ich musste noch meine Tasche packen und habe kaum einen klaren Gedanken fassen können. Zudem kam diese äußerst unangenehme Übelkeit wieder. Es dauerte nicht lang, bis ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Ich hatte kaum Kraft, war völlig aufgelöst wegen der Situation und entschied mich dafür zu Hause zu bleiben. Einerseits passte es mir sowieso nicht jetzt zu fahren, wegen dem ganzen Stress mit den Ämtern und so wirklich Lust hatte ich auch nicht. Kein Wunder bei der ganzen dampfenden Kacke. Klar bin ich deswegen gefrustet, weil ich meine Leute da unten enttäuscht habe. Ich habe meinem Vater und meinen Freunden getextet, dass ich krank bin und somit auch nicht fähig eine Reise anzutreten. Meine Freunde fanden es sehr schade und mein Vater antwortete, dass bei ihm auch alle krank seien. Also alles irgendwie nur halb so wild. 

Gestern bin ich nach dem Mittag völlig breit zur Dienstkleideranprobe gegangen. Es war alles ganz locker und die Gewandmeisterin ist sehr sympathisch. Sie konnte mir erstmal nur zwei Blusen und ein Halstuch mitgeben. Hose, Rock, Weste und was weiß ich noch, muss sie bestellen, weil ich sehr klein und zierlich bin. Für die Bestellung hat sie Maß genommen … das war special. Sie tat das, weil mir eine XS an den Armen und Beinen zu kurz wäre und eine S könnte bei Anzugteilen schlabberig und doof aussehen. Aus meinen insgesamt 162 cm Körpergröße schreib sie, glaub ich sechs verschiedene Maße auf. Meine Beine haben eine Prachtlänge von 102 cm und das was bei den Models 90-60-90 sein soll, ist bei mir 80-60-84. Die Armlänge und Rückenmaße hab ich mir nicht gemerkt. 

Nach der Anprobe musste ich noch Tabak, Hundeleckerlies, Deo und Kleintierstreu holen. Als ich das hatte ging ich endlich wieder nach Hause, rauchte meinen Joint weiter und chillte mit Musik. Am Abend kamen dann die Teile dran: erst ein hellblauer Kürbiskopf  und später noch ein rosa Transformer. Sid legte sich zu mir und wir machten wieder mal Extremkuscheln. Und nun bin ich wieder unterwegs und hoffe, dass der Ausflug nicht genau wie der zum Anfang der Woche endet.

Es schmerzt immer noch

Obwohl mir meine Gefühle ganz schön verstümmelt vor kommen, fühle ich doch ab und zu noch richtig, zumindest Schmerz. Ich war mit Polly draußen und bin mit ihr an einen Ort gelaufen, an dem ich mit ihr noch nicht war. Wir waren bei meiner Omama. Sie wohnt am Bahnhof, neben dem Brennaborhof. Da wo auch andere Leiblosen wohnen. Mein Uropa ist da auch. Ich hab mich zu ihr gesetzt und ihr Polly vorgestellt, dann fing ich an zu flennen und konnte nicht mehr aufhören. Wie jedes Mal, wenn mir bewusst wie sehr ich sie vermisse. Es ist schon fast achtzehn Jahre her und diese Jahre waren nicht gerade schön. Als sie gehen musst, zerbrach die Familie nach und nach immer mehr. Es waren echt beschissene achtzehn Jahre und all das kommt hoch, sobald ich sie vermisse. Dann sehe ich meine Schrottfamilie, in der es nie wirklich Liebe gab, in der sich jeder selbst der nächste ist und in der wohl kaum einer weiß, was Familie überhaupt bedeutet. Zeit heilt keine Wunden, man lernt nur mit dem Schmerz zu leben. Bushido weiß schon wovon er rappt. Immer wenn ich an meine herzallerliebste Omama denke, rollen mir die größten Krokodiltränen runter. Und was noch viel mehr weh tut, ist dass der Rest der Familie sie anscheinend vergessen hat, denn niemand geht sie besuchen. Nur ich. Ich bin die einzige, die mit dem Grabstein redet und rüber zu Opas Wiese geht. Wie kann ich nur in Mitten so schrecklicher Leite aufwachsen. Meine Oma ist da die einzige Ausnahme. Ich weiß nicht, wie oft ich mir als Kind gewünscht habe eine Waisenkind zu sein und keine Familie zu haben, denn das wäre auch nicht anders gewesen. Hört sich hart an, aber wenn man stets stehen gelassen wurde, dann ist man seiner Mutter weniger dankbar für sein Leben. Und mein Vater? Entweder ist es der eine oder der andere. Der eine ließ mich allein, da würde ich gerade fünf und der andere meldete sich dann als ich fünfzehn wurde. Es gibt keinen Vaterschaftstest, dafür aber Ungewissheit. Ich habe meinen Vater nie vermisst, weil ich nicht wirklich wusste, was einen Vater ausmacht, denn der eine der da war, war eher ein Spielkamerad. 

Ich bin schon wieder traurig und fühle mich so verwundbar, völlig ungeschützt und schwach. Ich will raus aus meiner Haut und ein stinknormales langweilig Leben führen. Eins das nicht kaputt ist und in dem ich nicht ständig von der einen zur anderen Person geschoben werde. Wer wundert sich da noch, dass ich Probleme habe Rollen in mein Leben neu zu besetzen!