Wellness für Körper und Geist

Die letzte Woche war ganz schön facettenreich. Positiv, als auch negativ. Eigentlich sollte ich gerade bei meinem Psychiater sein, aber ich habe mich gegen Strattera und für Gras entschieden. Ich kann mich einfach nicht mit dem Gedanken täglich Tabletten zu schlucken abfinden, damit Gras zu rauchen schon. Sid und ich haben in der Entzugswoche viel gestritten und ich musste mich immer wieder fragen, ob das mit uns eine Zukunft hat. Das lag sowohl an ihm, als auch an mir, denn er ist ohne Gras immer hoch sensibel, ich hingegen völlig gefühlskalt. Das ist ein ewiger Stellungskrieg. Jeder verzieht sich in seinen Graben und sobald einer das Trommelfeuer startet, wird die Streitschlacht eröffnet. Es gibt unzählige Tote und Verletzte, macht ein Haufen Krach und zerrt an den Nerven. Und das alles nur für ein paar Meter Landgewinnung. Ich bin völlig unzufrieden mit meiner aggressiven und anfälligen Persönlichkeit. Letzte Woche war einfach unfucking-fassbar anstrengend. 

Jetzt sitze ich entspannt in meiner Badewanne und mache Wellness für Körper und Geist. Im Badewasser ist ein angenehmes Badeöl und neben mir liegt der Joint griffbereit. Das ist wie Urlaub at home. Mich stresst nicht mal der Gedanke, dass ich noch Mathehausaufgaben machen muss.

Das Leben geht weiter

Was geschehen ist, ist geschehen und daran kann man nichts mehr ändern! Das Leben geht weiter, kaum zu glauben nach dem was passiert ist. Ich möchte gerne erzählen was geschah und trotzdem sperre ich es in mir ein und versuche kein Wort darüber zu verlieren. Der Termin bei Frau Hegersdorf verursachte körperliche und seelische Schmerzen. Ich habe mich meiner größten Angst gestellt und zum ersten Mal meine tiefsten Geheimnisse preis gegeben. Warum ich die Geheimnisse solange für mich behalten habe, hat sich gezeigt. Dennoch würde ich es nicht ungeschehen machen wollen. Immer noch fange ich öfters an unbegründet zu lachen und kann nicht mehr weinen, so sehr ich mich auch in ein fiktives Desaster reinsteigere. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Irgendwie läuft das Leben einfach stupide lang hin. Am Donnerstag habe ich wieder einen Termin bei ihr und ich denke, dass dies mein letzter sein wird. Ich werde ihr Leb´ wohl sagen. Ich habe sie verloren. Es ist genau das geschehen, wovor ich solche Angst hatte und Angst ist das was meine Geheimnisse nährt.

Morgen geht Stuart wieder in die Klinik und zwar auf dieselbe Station, auf der wir uns kennen lernten und Frau Hegersdorf arbeitet. Aus dem Grund habe ich ihn seit dem Termin ignoriert, aber nicht bösartig, zumindest war das nicht mein Ziel. Als er mir heute schrieb, dass er den Kontakt zu mir vermisst, habe ich ihn kurz geantwortet. Ich kann einfach ein Kontakt zu ihm haben, wenn er täglichen Umgang mit Frau Hegersdorf hat, denn ich will nicht, dass er mir was von ihr oder der Therapie erzählt, ich will einfach nichts von ihr hören. Er akzeptiert meine Entscheidung und war damit einverstanden, dass es nach seiner Klinikzeit weiter geht als zuvor. Ich habe nun den Abstand zu ihm, was wie gesagt keine persönliche Gründe hat, aber ich kenne mich und weiß, dass ich nachfragen werde. Das Risiko will ist nicht eingehen. Was ist wenn diese Gemütskatastrophe zurück kehrt? Nein, nicht nochmal!

Das Leben geht weiter. Es läuft einfach weiter und so auch ich. Das dachte Frau Hegersdorf wohl weniger, denn sie wollte mich aufgrund meiner Lage gleich in die geschlossene Anstalt einweisen, doch ich bettelte sie fast schon an, dass ich da nicht hin will. Ich will nicht eingesperrt werden und auch nicht mein Hund allein lassen. Polly und ich sind ein Herz und eine Seele. Uns beiden würde eine räumliche Trennung auf Zeit nicht gut tun. Und dann ist da noch die Schule, die ich schon einmal wegen einem Klinikaufenthalt unterbrechen musste. Es fühlt sich so an, als würde ich alles verlieren, wenn ich die Schule verliere, als bliebe mir nichts anderes. Meine gesamte Struktur baut sich um die Schule herum auf. Sie konnte es verstehen. Trotzdem musste ich sie am nächsten Morgen anrufen, sozusagen zur Kontrolle, ob ich noch atme. Natürlich kann ich verstehen, dass sie sich sorgt, aber das wirkt komisch. Es kommt mir so vor, als trägt sie eine Maske, die mir zuvor nie aufgefallen ist, weil ich dachte, dass sie authentisch ist und keine Rolle bekleidet. Und davon war ich zweifellos überzeugt. Jetzt wo ich nach und nach realisiere, was sie alles während meiner Sprachlosigkeit sagte sind Zweifel da. Vielleicht bin ich auch einfach nur durcheinander, aber eins ist klar: ich werde sie am Donnerstag zur Rede stellen. Wenn diese Szene in meinen Kopf rattert, dann sehe ich mich völlig wütend, ja ich mache sie richtig zur Sau. Und das bin ich auch, ich bin wütend. Zwar nicht wegen dem was sie mir persönlich angetan hat, aber wegen dem was sie generell getan hat, obwohl sie mich versicherte immer ehrlich gewesen zu sein. Ob sie mir doch nur was vorgespielt hat, werde ich am Donnerstag raus finden und das hoffentlich bevor ich eskaliere.

Bis zum 10. Januar muss ich clean werden und bleiben, denn da muss ich zu meinem Psychiater, der mir dann Strattera verschreiben wird. Bis dahin hat er mir schon mal Pipamperon mitgegeben. Diese Tabletten haben den gleichen Wirkstoff wie die Dippiperon, die ich in der Klink zum Einschlafen bekam. Heute früh habe ich den (vorerst) letzten Joint geraucht und hoffe, dass ich solange durchhalte. Ich will nicht aufhören zu kiffen, aber ich will meine finanzielle Lage auch wieder aufbessern. Außerdem habe ich seit zwei Wochen brutalen Druck und will Sternschnuppenstaub, auch wenn ich viel zu wenig wiege. Ich will meine Konzentration in Recherchen und Graffitis stecken. Ich will malen und schreiben! Seitdem ich angefangen habe zu ziehen, kommt es mir so vor, als könne ich meine große und weniger große Leidenschaft nicht mehr ohne Speed nachgehen. Klar, das ist nur Einstellungssache und heute konnte ich mir beweisen, dass es auch ohne geht, aber ich kann noch nicht wirklich dran glauben. Ich bin gespannt, ob die Pipamperon heute ihre Wirkung entfalten oder ob ich wieder Stunde um Stunde wach liegen werde, um von meinen Ängsten heimgesucht zu werden. Immerhin kann ich nicht mehr heulen, so schlimm kanns´ also nicht werden. Beschissen leere Hülle! Als wäre ich jemand wie jeder andere.

Einer der seltenen normalen Tage

Der heutige Tag, war einer der an denen ich mich wie ein normaler Mensch gefühlt habe. Stuart und ich waren Pilze sammeln. Groß war die Ausbeute nicht. Es reicht aber für meine Pilzrahmsauce zu Spätzlen und eine kleine Pilzpfanne. Das reicht für mich völlig aus, also bin ich auch nicht gerade enttäuscht. Immerhin sind es vierzehn Stück und davon sind nur zwei klein. Die anderen sind recht groß. Im Schnitt so groß wie meine Hand. Außerdem hatten Polly und Lucie eine Menge Spaß im Wald. Polly hatte besonders viel Spaß dabei durch den schwarzen sumpfigen Modder zu springen. Dafür wurde sie zu Hause abgeduscht, was sie einfach über sich ergehen lassen hat. Stuart uns ich haben über die Pilze philosophiert: auf welcher Moosart sind sie am häufigsten, findet man sie eher im Laub- oder Nadelwald, da wo wenig oder viel Licht ist und o weiter. dazu muss man sagen, dass wir kaum Ahnung von Pilzen haben. Naja, das stimmt nicht ganz, denn mit den Magic Mushrooms kennen wir uns einigermaßen aus.

Der Tag war wirklich entspannend und die angenehme Waldluft hat gut getan. Freitagabend war dafür umso anstrengender für mein Gemüt. Ich habe Rotz und Wasser geflennt. Ein Grund dafür war der eigentliche dreizehnte Monatstag mit Sid. Weitere Gründe haben sich ergeben. Ich war wieder völlig aufgewühlt und habe meiner Psychologin folgende Mail geschrieben:

„Frau Hegersdorf, Sie haben gesagt, dass ich nicht sagen soll es ginge mir gut, wenn es gar nicht so ist. Nun: es geht mir nicht gut. Nicht nur wegen dem Ding mit Sid, sondern weil sich mein Kopf schon wieder überschlägt. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und wo ich aufhören sollte, denn da ist kein Ende. Es hört nirgendwo auf. Es ist nicht wie die Strecke zwischen Marathon und Athen, sondern eher das zehntausendfache, was den blöden Umfang der Erde ergibt und wie Sie wissen ist die Erde rund. Man kommt überall wieder vorbei und es dreht sich nur im Kreis. Es ist schon beschissen ohne Gras einzuschlafen und nicht einschlafen zu können, weil ich Schiss vor diesem beschissen Traum habe. Aber noch beschissener ist diese Gedankenschleife in Form des Unendlichkeitszeichen. Warum kommt denn immer alles hoch? Warum nervt es mich immer noch, dass meine Mutter sich nicht interessiert hat oder meine Väter sich einfach verpisst haben? Warum habe ich ständig Angst meine Liebsten zu verlieren, weil ich Mist baue? Und denn stehen da noch mehr warums umher. Es geht mir wie früher, ganz genauso und das ist anstrengend. Jedes Mal, wenn es mir so geht fühle ich mich so, als würde ich jeden Augenblick durchdrehen und das liegt nur daran, dass ich fühle und ich es nicht akzeptieren kann, weil ich es nicht verstehe. Tagsüber bin ich immer stark und marschiere durch jedes Minenfeld, doch nachts liege ich im Schützengraben und kriege Anfälle, weil die Bombenanschläge und das Trommelfeuer mich zerfetzt und das jede verdammte Nacht. Was soll ich denn nur tun?“

Danach ging es mir besser und ich konnte sogar lächeln, als ich mir vorstellte, dass sie einfach nur vor mir stehen würde. Sie ist eben der stützenste Pfeiler in meinen Leben. Am Mittwoch habe ich den nächsten Termin mit ihr und freue mich schon unheimlich drauf.

Heute habe ich mich außerdem noch in dem Forum adhs-chaoten.net angemeldet und habe auch schon einige Beiträge kommentiert. Stuart hat mich drauf gebracht. Bislang war ich absolut gar kein Fan von Foren, doch nun habe ich mich rein gefunden. Das wird wohl neben GTA online meine weitere Abendbeschäftigung.

Abende wie dieser

Was mache ich mir eigentlich vor? Seit dem Aus zwischen Sid und mir halte ich meine Gefühle unter Verschluss und kaum ist die Sonne untergegangen, kommen wieder dieselben Depressionen und niederschlagenden Emotionen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es mir ohne ihm besser oder schlechter geht und am liebsten würde ich gar nicht darüber nachdenken, aber wenn ich es nicht tue wird es mir ewig im Nacken hängen. Keine Frage, ich fühl mich befreit, aber es kommen diese Momente der völligen Einsamkeit zurück. Als wären sie die ganze Zeit in meinem Schatten nebenher geschlichen und nun haben sie sich angepirscht und im richten Moment zugeschlagen. Es kommt alles zurück und ich werde nicht fertig damit. Egal ob ich jetzt hier auf meiner Couch liege, in meiner Unterkunft während der Ausbildung oder meinem Bett im Kinderzimmer. In jeder Phase meines Lebens drängen sich diese Empfindungen auf und lassen nicht locker. Dann wird mir wieder bewusst, dass dies einer der Gründe für das ausgedehnte Kiffen war. Zu meiner Einsamkeit kommen die Verlustängste und zusammen inszenieren sie die übelsten Storys, die vierdimensional in meinem Kopf aufgeführt werden. Dabei sehe ich nicht nur irgendein Hirngespinst, sondern bin selbst Teil der Handlung. Dazu kommt ein Mensch der mir sehr am Herzen liegt und ein Bösewicht, der mir zeigt, dass ich keiner dieser Menschen beschützen kann. Meine Sinne setzen mich in die mitreißendsten Tragödien und Dramen. Ich werde wie eine Marionette gezwungen zu tanzen. Das schlimmste bei der Sache ist, dass ich aus diese Gedankenschleifen nicht raus komme, zumindest nicht ungeschoren. Wenn ich es einfach stoppe liege ich solange wach bis ich mir bis zum Ende reingezogen habe. Was stimmt nur nicht mit mir?! Das ist nicht das ADHS, das ist auch nicht der Entzug, das ist meine eigene kranke Ausgeburt von Hirn. Diese böse Brut lässt mich unter meinen negativen Gefühlen leiden und quält mich mit meinen Schwächen. Doch warum? Was habe ich meinem Hirn angetan? Irgendwann drehe ich noch durch oder ich kiffe weiter, aber das kann doch keine Lösung sein. Klar geht es mir im Großen und Ganzen besser mit THC, so werden wenigstens meine Cannabinoid Rezeptoren erregt und komischerweise sagt Wikipedia über diese CNR1 genau das aus, was mir fehlt. Was soll das? Warum ist Gras illegal, wenn es Menschen wie mir ein normales und weniger abgedrehtes Leben schenkt? Die Regierung will ihre Bevölkerung doch dumm und still halten, warum also? Warum? Ich könnte schreien, heulen und einfach nur kiffen, um mich aus diesem Emotionsdschungel zu befreien. Ein Dschungel in dem die übelsten Raubtiere leben. Angefangen bei Harpyien, bis hin zu Raubkatzen und zwischen den Steinen am Boden wimmelt es nur so von Pfeilgiftfröschen und Skorpionen. Wasser scheint die einzige Rettung, aber am Ufer angekommen sind da schon etliche Würfelquallen zu sehen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis zur völligen Verzweiflung. Entweder stehe ich diesen erbarmungslosen Krieg im Schützengraben durch oder werde schwach. 

So ist das Leben ohne Drogen eben

Ich empfinde Reue und habe Kopfficken. Vorgestern sind Sören und ich schwach geworden und haben gekifft. Nun habe ich vierzehn Tage ohne Drogen geschafft und dann … ja dann haben wir mit Stuart und Danny zusammen gekifft. Mich ärgert es so unheimlich, weil Frau Hegersdorf doch er sagte, dass sie stolz auf mich ich und das mache ich einfach kaputt. Ich könnte heulen. Auf der anderen Seite könnte ich wiederum lachen, denn ich habe ein Kilogramm zugenommen und hatte die letzten zwei Tage auch vernünftiges Essverlangen. Es ist so eine blöde Situation. Eigentlich wäre es gestern gar nicht nötig gewesen, aber irgendwie fühlte ich mich einsam und hab Stuart angerufen, der dann ein bisschen mitgebracht hat. Dann kommt da noch hinzu, dass ich Lust habe zu ziehen oder mal wieder ein Teil zu schmeißen. Alles lief so gut und plötzlich fängt das Kopfficken wieder an. Liegt es vielleicht daran, dass ich Sod vermisse, obwohl es sich gar nicht so anfühlt oder nur die Langeweile. Kiffen will ich nicht unbedingt, sollte ich aber vielleicht, um schneller zuzunehmen. Frau Hegersdorf wird bestimmt enttäuscht sein, auch wenn ich es nicht für sie, sondern für mich mache. Dennoch tue ich so, als würde ich es für sie tun, denn dann habe ich einen triftigen Grund und bleibe stark. Als sie mir am Telefon sagte, dass sie stolz ist, da fühlte ich mich in die Luft gehoben und hatte ein richtig gutes Gefühl. Es war so schön, dass ich es nicht beschreiben kann. Ich erinnere mich zwar noch gut an das Gefühl, aber gleichzeitig fühlt es sich verloren an. Der ganze Tag war irgendwie bestückt vom genervt und träge Sein. Wohlmöglich liegt es daran, dass Sid und ich heute dreizehn Monate zusammen gewesen wären.