Das Leben geht weiter

Was geschehen ist, ist geschehen und daran kann man nichts mehr ändern! Das Leben geht weiter, kaum zu glauben nach dem was passiert ist. Ich möchte gerne erzählen was geschah und trotzdem sperre ich es in mir ein und versuche kein Wort darüber zu verlieren. Der Termin bei Frau Hegersdorf verursachte körperliche und seelische Schmerzen. Ich habe mich meiner größten Angst gestellt und zum ersten Mal meine tiefsten Geheimnisse preis gegeben. Warum ich die Geheimnisse solange für mich behalten habe, hat sich gezeigt. Dennoch würde ich es nicht ungeschehen machen wollen. Immer noch fange ich öfters an unbegründet zu lachen und kann nicht mehr weinen, so sehr ich mich auch in ein fiktives Desaster reinsteigere. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Irgendwie läuft das Leben einfach stupide lang hin. Am Donnerstag habe ich wieder einen Termin bei ihr und ich denke, dass dies mein letzter sein wird. Ich werde ihr Leb´ wohl sagen. Ich habe sie verloren. Es ist genau das geschehen, wovor ich solche Angst hatte und Angst ist das was meine Geheimnisse nährt.

Morgen geht Stuart wieder in die Klinik und zwar auf dieselbe Station, auf der wir uns kennen lernten und Frau Hegersdorf arbeitet. Aus dem Grund habe ich ihn seit dem Termin ignoriert, aber nicht bösartig, zumindest war das nicht mein Ziel. Als er mir heute schrieb, dass er den Kontakt zu mir vermisst, habe ich ihn kurz geantwortet. Ich kann einfach ein Kontakt zu ihm haben, wenn er täglichen Umgang mit Frau Hegersdorf hat, denn ich will nicht, dass er mir was von ihr oder der Therapie erzählt, ich will einfach nichts von ihr hören. Er akzeptiert meine Entscheidung und war damit einverstanden, dass es nach seiner Klinikzeit weiter geht als zuvor. Ich habe nun den Abstand zu ihm, was wie gesagt keine persönliche Gründe hat, aber ich kenne mich und weiß, dass ich nachfragen werde. Das Risiko will ist nicht eingehen. Was ist wenn diese Gemütskatastrophe zurück kehrt? Nein, nicht nochmal!

Das Leben geht weiter. Es läuft einfach weiter und so auch ich. Das dachte Frau Hegersdorf wohl weniger, denn sie wollte mich aufgrund meiner Lage gleich in die geschlossene Anstalt einweisen, doch ich bettelte sie fast schon an, dass ich da nicht hin will. Ich will nicht eingesperrt werden und auch nicht mein Hund allein lassen. Polly und ich sind ein Herz und eine Seele. Uns beiden würde eine räumliche Trennung auf Zeit nicht gut tun. Und dann ist da noch die Schule, die ich schon einmal wegen einem Klinikaufenthalt unterbrechen musste. Es fühlt sich so an, als würde ich alles verlieren, wenn ich die Schule verliere, als bliebe mir nichts anderes. Meine gesamte Struktur baut sich um die Schule herum auf. Sie konnte es verstehen. Trotzdem musste ich sie am nächsten Morgen anrufen, sozusagen zur Kontrolle, ob ich noch atme. Natürlich kann ich verstehen, dass sie sich sorgt, aber das wirkt komisch. Es kommt mir so vor, als trägt sie eine Maske, die mir zuvor nie aufgefallen ist, weil ich dachte, dass sie authentisch ist und keine Rolle bekleidet. Und davon war ich zweifellos überzeugt. Jetzt wo ich nach und nach realisiere, was sie alles während meiner Sprachlosigkeit sagte sind Zweifel da. Vielleicht bin ich auch einfach nur durcheinander, aber eins ist klar: ich werde sie am Donnerstag zur Rede stellen. Wenn diese Szene in meinen Kopf rattert, dann sehe ich mich völlig wütend, ja ich mache sie richtig zur Sau. Und das bin ich auch, ich bin wütend. Zwar nicht wegen dem was sie mir persönlich angetan hat, aber wegen dem was sie generell getan hat, obwohl sie mich versicherte immer ehrlich gewesen zu sein. Ob sie mir doch nur was vorgespielt hat, werde ich am Donnerstag raus finden und das hoffentlich bevor ich eskaliere.

Bis zum 10. Januar muss ich clean werden und bleiben, denn da muss ich zu meinem Psychiater, der mir dann Strattera verschreiben wird. Bis dahin hat er mir schon mal Pipamperon mitgegeben. Diese Tabletten haben den gleichen Wirkstoff wie die Dippiperon, die ich in der Klink zum Einschlafen bekam. Heute früh habe ich den (vorerst) letzten Joint geraucht und hoffe, dass ich solange durchhalte. Ich will nicht aufhören zu kiffen, aber ich will meine finanzielle Lage auch wieder aufbessern. Außerdem habe ich seit zwei Wochen brutalen Druck und will Sternschnuppenstaub, auch wenn ich viel zu wenig wiege. Ich will meine Konzentration in Recherchen und Graffitis stecken. Ich will malen und schreiben! Seitdem ich angefangen habe zu ziehen, kommt es mir so vor, als könne ich meine große und weniger große Leidenschaft nicht mehr ohne Speed nachgehen. Klar, das ist nur Einstellungssache und heute konnte ich mir beweisen, dass es auch ohne geht, aber ich kann noch nicht wirklich dran glauben. Ich bin gespannt, ob die Pipamperon heute ihre Wirkung entfalten oder ob ich wieder Stunde um Stunde wach liegen werde, um von meinen Ängsten heimgesucht zu werden. Immerhin kann ich nicht mehr heulen, so schlimm kanns´ also nicht werden. Beschissen leere Hülle! Als wäre ich jemand wie jeder andere.

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Die Geisterbahn

Es ist kurz nach vier Uhr in der Früh und ich liege immer noch wach. Für bekanntlich höre ich die Geisterbahn, also die erste Straßenbahn nur, wenn ich auf meinem Sternschnuppenstaub unterwegs bin, aber nun liege ich schon wieder so lange schlaflos wach, dass ich total genervt davon bin. Die letzte Dreiviertel Stunde habe ich auf gutefrage.net verbracht und mich darüber gewundert, was heute Nacht los ist. Es kam eine Frage nach der anderen rein und für gewöhnlich ermüdet mich das, weil meist Depressionsfragen um solche Uhrzeit gestellt werden, aber nicht heute. Das hat man nun davon, wenn mal ein Tag normal abläuft. Ist doch kacki! Sollte ich vielleicht doch weiter kiffen? Dann würde ich wenigstens auch besser zunehmen. 

Einer der seltenen normalen Tage

Der heutige Tag, war einer der an denen ich mich wie ein normaler Mensch gefühlt habe. Stuart und ich waren Pilze sammeln. Groß war die Ausbeute nicht. Es reicht aber für meine Pilzrahmsauce zu Spätzlen und eine kleine Pilzpfanne. Das reicht für mich völlig aus, also bin ich auch nicht gerade enttäuscht. Immerhin sind es vierzehn Stück und davon sind nur zwei klein. Die anderen sind recht groß. Im Schnitt so groß wie meine Hand. Außerdem hatten Polly und Lucie eine Menge Spaß im Wald. Polly hatte besonders viel Spaß dabei durch den schwarzen sumpfigen Modder zu springen. Dafür wurde sie zu Hause abgeduscht, was sie einfach über sich ergehen lassen hat. Stuart uns ich haben über die Pilze philosophiert: auf welcher Moosart sind sie am häufigsten, findet man sie eher im Laub- oder Nadelwald, da wo wenig oder viel Licht ist und o weiter. dazu muss man sagen, dass wir kaum Ahnung von Pilzen haben. Naja, das stimmt nicht ganz, denn mit den Magic Mushrooms kennen wir uns einigermaßen aus.

Der Tag war wirklich entspannend und die angenehme Waldluft hat gut getan. Freitagabend war dafür umso anstrengender für mein Gemüt. Ich habe Rotz und Wasser geflennt. Ein Grund dafür war der eigentliche dreizehnte Monatstag mit Sid. Weitere Gründe haben sich ergeben. Ich war wieder völlig aufgewühlt und habe meiner Psychologin folgende Mail geschrieben:

„Frau Hegersdorf, Sie haben gesagt, dass ich nicht sagen soll es ginge mir gut, wenn es gar nicht so ist. Nun: es geht mir nicht gut. Nicht nur wegen dem Ding mit Sid, sondern weil sich mein Kopf schon wieder überschlägt. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und wo ich aufhören sollte, denn da ist kein Ende. Es hört nirgendwo auf. Es ist nicht wie die Strecke zwischen Marathon und Athen, sondern eher das zehntausendfache, was den blöden Umfang der Erde ergibt und wie Sie wissen ist die Erde rund. Man kommt überall wieder vorbei und es dreht sich nur im Kreis. Es ist schon beschissen ohne Gras einzuschlafen und nicht einschlafen zu können, weil ich Schiss vor diesem beschissen Traum habe. Aber noch beschissener ist diese Gedankenschleife in Form des Unendlichkeitszeichen. Warum kommt denn immer alles hoch? Warum nervt es mich immer noch, dass meine Mutter sich nicht interessiert hat oder meine Väter sich einfach verpisst haben? Warum habe ich ständig Angst meine Liebsten zu verlieren, weil ich Mist baue? Und denn stehen da noch mehr warums umher. Es geht mir wie früher, ganz genauso und das ist anstrengend. Jedes Mal, wenn es mir so geht fühle ich mich so, als würde ich jeden Augenblick durchdrehen und das liegt nur daran, dass ich fühle und ich es nicht akzeptieren kann, weil ich es nicht verstehe. Tagsüber bin ich immer stark und marschiere durch jedes Minenfeld, doch nachts liege ich im Schützengraben und kriege Anfälle, weil die Bombenanschläge und das Trommelfeuer mich zerfetzt und das jede verdammte Nacht. Was soll ich denn nur tun?“

Danach ging es mir besser und ich konnte sogar lächeln, als ich mir vorstellte, dass sie einfach nur vor mir stehen würde. Sie ist eben der stützenste Pfeiler in meinen Leben. Am Mittwoch habe ich den nächsten Termin mit ihr und freue mich schon unheimlich drauf.

Heute habe ich mich außerdem noch in dem Forum adhs-chaoten.net angemeldet und habe auch schon einige Beiträge kommentiert. Stuart hat mich drauf gebracht. Bislang war ich absolut gar kein Fan von Foren, doch nun habe ich mich rein gefunden. Das wird wohl neben GTA online meine weitere Abendbeschäftigung.

Schlaflos wegen Rotze & Co

Es ist um halb drei in der Früh am Tag der deutschen Einheit. Auf den Straßen ist es überraschend ruhig und das liegt wohl daran, dass viele krank im Bett liegen. Ich zähle nicht dazu, denn gerade ließ ich mir  heißes Wasser mit Erkältungsbad ein. Mir geht’s elendig. Im Laufe des gestrigen Tages breitete sich die Brut des Bösen in mir aus. Nach meinem Termin bei Frau Hegersdorf kam der erste kurze Kopfschmerz, was mich verwirrte, denn es gab kein Grund für Kopfschmerzen. Es passiert äußerst selten, dass mich Kopfschmerzen plagen und dann liegt es entweder am Sauerstoffmangel oder Wut. Der Termin ist nicht dafür verantwortlich, denn da lief alles prima, dass ich wie immer mit einem Lächeln den Schutz des Asklepios verließ. Allerdings war dieser kurze Kopfschmerz bis zur Straßenbahnhaltestelle wieder verflogen und dann war eine Weile Ruhe. Zur frühen Abendstunde würde es jedoch im Minutentakt schlimmer. In den ersten Stunden schlich es nur und dann ging es im Eiltempo weiter. Erst musste ich öfters husten, dann war meine Nase zu, weiterhin machten sich meine, noch vom Zahnfleisch bedeckten Weisheitszähne bemerkbar und schließlich begann mein Schädel an immer mehr Stellen zu schmerzen. Angefangen an den Seiten, wie gewohnt, doch mittlerweile habe ich sie auch hinten, da wo der Kopf am Hals befestigt ist. 

Das Spielchen mit den Weisheitszähnen kenne ich schon und ich dachte, ich verrecke. Das war Anfang des Jahres und ich lag drei Tage flach. Fieber, Kopfweh, pickelig-stechende Zunge, dicke offene Unterlippe und allgemeine Schwäche inklusive Kieferschmerzen. So schlimm ist es heute nicht, dafür aber mit Grippe im Gepäck. Kurz nach halb neun ging ich ins Bett und wickelte mich in meine Decke. Seitdem versuche ich auch einzuschlafen, jedoch erfolglos. Am bequemsten liege ich auf der Seite mit angewinkelten Beinen, so huste ich auch nicht viel. Leider dreht sich die Schwerkraft nicht mit, was zur Folge hat, dass mir die Rotze aus der Nase läuft, dann muss ich mich hinsetzen und die Nase schnauben. Weniger bequem, aber immer noch akzeptabel ist es für mich auf dem Rücken zu liegen. So fließt die Rotze nicht raus und ich muss nicht schnauben. Allerdings ist die Nase dann zu, weswegen ich durch den Mund atmen muss und das führt wiederum dazu, dass ich ständig husten muss. Es ist ätzend, wirklich ätzend. Mir tun sogar schon die tränenden Augen weh. Ich will nur schlafen und bin müde genug um gleich weg zu sein, aber wenn es weder die Rotze, noch der Husten ist, dann ist es der Kopf oder Kiefer. Erst wollte ichkurz mit Polly an die frische Luft und Eine rauchen, aber Sid empfohlen mir eher das Erkältungs-Eukalyptusbad. Und da bin ich jetzt und werde noch etwas hier schmoren, in der Hoffnung anschließend einschlafen zu können.