Omi Marita

Heute früh habe ich meine Omi wieder getroffen, zwar nur kurz, aber immerhin. Das war das vierte Mal und dieses Mal habe ich daran gedacht mich vorzustellen, bevor wir uns verabschiedeten. Ihr Morgen lief bis dahin nicht so gut, weil ihre Schlaftropfen völliger Mist sind, aber als ich ihr mein Name verriet, lächelte sie und stellte sich auch vor. Sie heißt Marita und ihr Hund Molly, aber das wusste ich schon. 

Gestern erst war ich deprimiert und musste an sie denken. Ich hoffe wir kommen uns noch näher. Eine Freundschaft mit ihr würde mir viel geben, aber ich will nicht nur nehmen, nein, ich will meine Energie auch den Menschen widmen, die es wert sind. Es macht mich glücklich, wenn ich meinen Liebsten etwas Gutes tun kann. Sie fährt mit Molly auch öfter in den Wald, wo ich auch gerne mit Polly bin, aber ohne Auto erreicht man den Wald nicht gut und würde ich mit dem Bus fahren, müsste ich Polly ein Maulkorb ummachen und ein ermäßigtes Ticket kaufen. Ist irgendwie umständlich. Vielleicht fragt sie mich ja mal, ob ich mitkommen möchte. Das wäre toll! Am liebsten hätte ich gleich nachgefragt, ob ich mal mit kann, aber aufdrängeln möchte ich mich nicht. Früher habe geklammert, was auf andere abschreckend wirkt. Ich hab lange nicht gewusst, warum ich andere genervt habe, denn keiner hat es mir gesagt. Doch meine Klassenlehrerin aus dem ersten Lehrjahr hat es mir schonend beigebracht und wir sind heute noch befreundet. Sie hat mir wirklich viel mit auf den Weg gegeben und erst im Nachhinein ist mir klar, was sie an Geduld für mich aufgebracht hat. Ich sollte ihr zu Weihnachten eine Karte schicken.

Nun, meine Omi möchte ich nicht bedrängen und abschrecken. Heute Nachmittag gibt sie eine Lesung und ich würde schrecklich gerne hin. Als ich fragte wann die ist, sagte sie grinsend: „um 16 Uhr“. Sie hätte sich wohl gefreut, wenn ich gekommen wäre, aber zu der Zeit muss ich los zur Schule. Sie erwähnte, dass es im PreußenSpiegel steht und ich werde gleich mal nachsehen, um künftige Lesungen nicht zu verpassen. 

Vom Nieselregen in die Traufe

Mein Tag fing soweit gut an, auch wenn es nicht so schien. Als ich wach wurde war ich erstmal verärgert, weil Sid sich keinen Wecker gestellt hat und zu spät zur Arbeit kam. Warum mich das ärgert? Weil er sagt, dass er erwachsen ist, aber er handelt nicht so. Das konnte ich schnell verdrängen und bin erstmal schnell mit Polly spazieren gegangen. Zu der Zeit war es noch Frau draußen und leicht verregnet. Wir sind wieder in den Humboldthain gegangen, in der Hoffung die nette ältere Dame mit dem Doodle-Labrador zu treffen. Leider war keiner da, als wir ankamen. Trotzdem spielten wir noch ein bisschen Ball unter den tropfenden Bäumen. Dann entdeckte ich ein Blatt, was mich lächeln ließ.


Ein paar schaffen es doch noch sich zu verfärben, jetzt wo es nicht mehr so trocken ist. Der Herbst kam von heut auf morgen und nun ist es da: stürmisch, nass und angenehm temperiert.

Mein Vormittag war ganz schön, dank der Präsenz des Herbstes. Aber nicht nur der, auch der Rückweg brachte noch eine Überraschung: Molly und die Liebe Omi. Polly sprintete gleich los und Molly kam auch gleich auf mich zu gerannt. Sie kamen uns entgegen und hatten es eilig, weil ihr Sohn heut Geburtstag hat und nach Berlin muss. Ich hatte noch Zeit und bin ein Stück mit in ihre Richtung gelaufen. Wir hätten noch ewig weiter quatschen können. Heute haben wir kurz über unseren bevorstehenden Tag geredet. Sie hat erwähnt, dass sie früher auch nebenbei am Einlass gearbeitet hat, so wie ich jetzt, bloß, dass sie in der Deutschen Oper war.

Als ich mittags zur Arbeit musste, begann meine Laune zu sinken. Gestern wurde mir mitgeteilt, dass ich heute schon um 12:15 Uhr anfangen soll und dann auch noch alleine mit Ronja! Das ist so abgefuckt. Es ist schon schlimm genug, dass ich letzten Monat nicht daran gedacht habe, mir für den heutigen Tag – Sids Geburtstag – frei zu nehmen. Nein, ich muss auch noch Überstunden machen. Ich habe mir keinen geringfügig Beschäftigte Tätigkeit gesucht, um am Wochenende 10-Stunden-Schichten zu schieben. Vor allem nicht für einen Garderobenumsatz von 2,50 €! Dazu kommt noch dieser verzogene Jammerlappen. Ich will diese Frau nicht ertragen. Allein heute war wieder der Knaller: um 12:15 Uhr ist Arbeitsbeginn, da geht sie erstmal raus eine rauchen, anschließend geht sie sich erst umziehen, dann nochmal auf die Toilette und erst dann, 20 Minuten später, hat die sich auf ihren Arbeitsplatz bewegt. Rotzenfrech setzte sie sich dann erstmal die ganze Zeit hin, bis 5 Minuten bevor die Türen geschlossen wurde. Da stand sie auf, aber nicht zum Arbeiten, sondern zum Kaffeekochen! Ist das nicht die Härte?! Aber damit noch nicht genug: eigentlich hätte sie vor der Saaltür stehen müssen und sie schließen, wenn die Verantstaltung anfängt. Doch als sie ihren Kaffee aufgesetzt hat, ist die erneut eine rauchen gegangen. Ich finde ihre Arbeitseinstellung assi und das war jetzt das zweite Mal. Beim Dritten Mal rede ich entweder mit ihr oder schreibe meinem Vorgesetzen eine Mail, denn ich stehe nicht über ihr und sie ist schon so eine Zicke. Total verzogen und denkt sonst was von sich. Mir egal, ich muss sie nur auf Arbeit tolerieren, aber ich finde es ungerecht dem Theater gegenüber, dass hier jemand bezahlt wird, der wirklich nur rum sitzt. Seitdem unsere Vorgesetzte in Rente gegangen ist, läuft hier einiges schief und anstatt eine neue Obereinlassdame bzw. ein Herr einzustellen, wurden zwei weitere geringfügig Beschäftigte eingestellt. Wenn mir das hier zu blöd ist, suche ich mir einen anderen Nebenjob, Hunde ausführen oder sowas. Ich hab echt kein Bock hier heute bis um 21 Uhr oder länger rumzusitzen.

Sechs Stunden ohne Smartphone

Heut‘ habe ich mein iPhone vergessen. Während ich in der Schule war, lag es auf dem Stuhl auf dem meine Arbeitsklamotten hängen. Als ich in der ersten Stunde meine Unterrichtsmaterialien auspacke, fiel es mir auf. Erst hat es mich abgefuckt, aber im Nachhinein war es weniger wild. Mich hat es nicht gestört, kein Handy dabei zu haben, aber dennoch war ich an einigen Stellen etwas aufgeschmissen. 

Die erste Englischstunde und die zwei darauffolgenden Deutschstunden waren echt lahm. Damit meine ich langweilig, unproduktiv und zum Kotzen! In Englisch erwarte ich schon gar nichts mehr, was Stresssituationen vermindert. Aber selbst mit dieser Leck-Arsch-/Mir-doch-egal-Einstellung rege ich mich noch auf. Gerade heute erst hat der Borke das nächste Ding gerissen: die Autorin Nora Eugen oder wie auch immer, kommt zu uns an die Schule für eine Lesung und der Herr Oberfaul hat uns einfach für diese Lesung eingeteilt, obwohl diese Veranstaltung nicht mal für die Abendschule gedacht war. Zum Einen hat er das nicht mit uns abgesprochen, sondern einfach beschlossen, dabei wusste er es schon Monate im Voraus, wie Frau Hannemann heute erwähnte, die -wohl bemerkt – Theatergänge oder Sonstiges mit uns bespricht. Desweiteren steuert dieses Event nichts zum Schulstoff bei, es hat nicht mal kulturellen Wert. Ihr ganzes Sexgeflüster ist vielleicht unterhaltsam, aber nicht für mich, also hab ich auch kein Bock mit sowas meine Zeit zu verschwenden. Zudem werden 3 € verlangt und es findet in der Turnhalle statt. Also bitte …, wenn es nicht möglich ist sich davon freizustellen, dann werde ich plötzlich unerträgliche Kopfschmerzen kriegen! Ich sehe es echt nicht ein für etwas Geld zu bezahlen, was ich weder hören noch sehen will, was nicht zum Unterricht bei trägt und wo ich auch noch auf unbequeme Sportbänke sitzen soll. Der Borke ist stinkend faul! Keine gescheite Unterrichtsvorbereitung, keine vernünftige Unterrichtssturuktur, alles nur larifari, … Die List ist lang! Was für ein Versager!

Deutsch war auch nicht besser. Erstmal habe ich eine fette Fünf kassiert und dann herrschte einfach nur Langeweile. Die Zeit verging nicht und meine Laune war beschissen! Im Englischunterricht war schon nichts los, dann noch diese miesen Neuigkeiten und mir standen noch drei Physiksstunden bevor. Die haben den Tag letztendlich noch gerettet. Ich hab sogar was gerafft! 

Diese ganze Langeweile wäre nicht so ätzend gewesen, wenn ich mein iPhone dabei gehabt hätte. In Sachen Datum, Uhrzeit und Duden war ich aufgeschmissen. In Deitsch war mir nicht klar was ein Bezirkskommandeur ist und Frau Hannemann zuckte auch nur mit den Schulter. Sowas wie ein Bürgermeister vermutete sie, was, wie Lennox später bei Wikipedia nachschlug, nicht stimmte. Das ist ein militärischer Posten. Naja, wie auch immer. Der Tag ist gelaufen und ich bin froh, dass ich morgen frei hab. Sid hat am Samstag Geburtstag und ich wollte noch eine Geschenk besorgen.

Das lange Wochenende

Montag war Feiertag, also hatte ich vier Tage Wochenende. Naja, nicht ganz, denn Sonntag musste ich arbeiten. Freitag war der erste Tag meines Wochenendes. Sid kam nachts zurück aus seinem Bauerndorf und ich habe ihn als Überraschung vom Bahnhof abgeholt. Darüber hat er sich gefreut, doch ab Samstag verlief es zwischendurch etwas holprig. Ich merke, dass ich an meiner Vergangenheit gewachsen bin. Irgendwie fühle ich mich reifer. Keine Ahnung wie genau das gekommen ist, aber mir fällt es jetzt leichter über gewisse Dinge zu stehen. Kleinigkeiten, Kinderkacke, wie auch immer. Bevor ich zu sehr hoch fahre, schaffe ich es mich zusammen zu reißen. Das führt dazu, dass unsere Streits nicht mehr eskalieren und wir uns früher wieder einkriegen können. In Sachen Beziehung war ich noch ziemlich unerfahren und ich hatte Angst die Beziehung und die Liebe meines Lebens zu verlieren, aber jetzt scheint die Sonne endlich wieder.

Am Samstag haben wir einen neuen Fernseher bekommen … für umsonst! Haha, der Hamma! Meine Eltern haben sich einen neuen 3D Fernseher gekauft und der Alte wurde mir überlassen, inklusive Lieferung 😏. Das ist ein cooles Gerät. Wenn ich meine Arme vollkommen ausstrecke, komme ich gerade von der einen zur gegenüberliegenden Ecke. Einfach wow. Außerdem brauche ich jetzt keinen Reciever mehr, das heißt: ein Stromfresser weniger. Und erst die Bedienung. Der Fernseher erkennt die PlayStation und die kann ich mit der Fernbedienung anmachen, ausmachen und steuern, ganz bequem. Was für ein Luxus. Verantwortlich dafür ist das Aquos System auf dem TV.

Am Sonntag musste ich zwei Mal arbeiten. War ganz entspannt, zumindest das erste Mal. Bei der zweiten Vorstellung, war ganz schön was los. Der Künstler hatte Geburtstag und hatte selbst geladene Gäste. Die saßen an Tischen vor der Bühne. Schon zwanzig Minuten nach Beginn sind ständig welche aufs WC gegangen. Nach einer Stunde sind die ersten bereits gegangen und bis zum Ende der Pause war ein ganz schöner Schub weg. Die Kritiken wiederholten sich von Gast zu Gast: der trifft keine Töne, das Orchester ist nicht aufeinander abgestimmt, zu viele Genrès durcheinander und dass man sich fühlte, als wäre man nur das fünfte Rad am Wagen seiner Geburtstagsfeier. Ein großer Kritikpunkt war die Akustik, die eher als unangenehmer Lärm beschrieben wurde. Das kann sogar ich bezeugen, wobei ich die ganze Zeit nur außerhalb des Saales war. Es war weitaus lauter als sonst und die Disneynummern waren grauenhaft. Er hat einfach geschrien an gewissen Stellen, anstatt melodisch laut zu singen. In der zweiten Hälfte musste ich sogar den Notarzt rufen. Plötzlich kam eine Dame rausgestürmt, was uns im ersten Momemt nicht verwunderte, denn die Tür ging ja ständig auf. Doch sie rief nach Hilfe, ob jemand da ist. Wir drei sprungen auf, mein Kollege ist gleich rein, meine Kollegin mit ein Glas Wasser hinterher und ich sollte die 112 wählen, doch ich war so aus der Bahn geschmissen, dass ich erstmal mit der 120 versucht. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ und ich sö hää? Dann wurde es mir klar und die Dame aus der Notrufzentrale durchlöcherte mich erstmal mit Fragen bezüglich des Bewusstseins, der Atmung und vielleicht noch was. Panik verursacht Filmrisse, zeigt sich auch später im Gespräch nochmal. Die Dinge wusste ich nicht, doch ich konnte sie schnell rausfinden. Dann haben wir die Standortfrage geklärt und zum Schluß wurde mir noch eine wiederbelebende Maßnahme erklärt, auf die ich zurückgreifen sollte, falls ein Herzstillstand eintritt. Sie erklärte es mir mit der Aufforderung Ruhe zu bewahren, dann sagte ich, dass wir einen Defibrillator haben, wozu sie nur sagte: „na das ist ja noch besser“. Ich weiß auch, dass da eine Anleitung dabei ist, aber ich kann mich bis jetzt nicht daran erinnern, was sie mir erklärte. Das lässt meine Kinnlade runterklappen.

Den letzten Tag des langen Wochenendes verbrachte ich faulenzend mit Sid. Zwischendurch war ich genervt, weil ich gern noch ein paar Tage länger faulenzen würde, aber übernächste Woche sind schon wieder Ferien.

Herbst ohne Farbenpracht

Dieser Herbst ist nicht wie sonst. Das Klima hat dafür gesorgt, dass die Blätter vertrocknen, bevor sie sich verfärben konnten. Ich find es schade, dass es kein bunten Herbst gibt. Nur wenige Blätter sind farbig.


Polly und ich sind heut Morgen im Hunboldthain spazieren gegangen und als wir gerade im braunen Blättermeer Ball gespielt haben, kam eine ältere, aber noch rüstige Dame mit einem großen schwarzen Hund vorbei. Er guckte beneidend Polly beim Ballspielen zu, dann wurde er von Polly entdeckt. Ich stecke den Ball weg und Polly rannte zu Mobi. Sein Frauchen und ich, wir haben ein schönes Gespräch geführt und dabei entdeckt, dass wir die Welt vom selben Standpunkt aus betrachten. Wir haben uns gleich verstanden und hoffen beide uns mal wieder zufällig übern Weg zu laufen. Dabei ist uns auch aufgefallen, dass wir morgens zur selben Zeit rausgehen. Im Nachhinein ist mir noch bewusst geworden, dass diese Dame, dessen Name ich nicht weiß, glatt ein Abbild meiner Zukunft sein könnte. Vom Körperbau waren wir uns sehr ähnlich, ihr Haar ist so fein, wie meines und sie trug auch Leggings mit Stiefel. Sie ist wirklich sympathisch.