Der missratene Mittwoch

Gestern war einfach nur abfuck. Stuart und ich waren vormittags zusammen mit den Hunden draußen. Anschließend wollten wir zu mir, aber dazu musste ich erst den Schlüssel von Sören holen, denn meinen habe ich zu Hause vergessen. Ja! Ich hab mich ausgesperrt. Super Nummer! In meiner alten Wohnung war die Wohnungstür störrisch und verzogen. Um die Wohnungstür von außen schließen zu können, musste ich mit dem Schlüssel den Riegel rein holen. Schlussfolgerung: das Verlassen der Wohnung war ohne Schlüssel nicht möglich! Am Tagesende, nach dem letzten Spaziergang mit Polly, stecke ich den Schlüssel immer von innen rein und drehe ihn rum. Diese Gewohnheit wurde gestern jedoch gelöst. Stuart fuhr mit mir bei Sören ran, dich das hätten wir uns sparen können. Als ich mich aussperrte, steckte der Schlüssel von innen schräg im Schloss und dadurch konnte ich den Zweitschlüssel zar reinstecken, aber nicht umdrehen. Hätte der Schlüssel gerade gesteckt, wäre es kein Problem gewesen. Stuart versuchte sein Glück mit einer Kundenkarte oder sowas, jedoch ohne Erfolg. Ich war schön angekackt von meiner ADHS-typischen Schussligkeit und davon jetzt ein Haufen Kohle für ein Schlüsseldienst bezahlen zu müssen. Den Einsatz eines Schlüsseldienstes habe ich vor einigen Jahren mal miterlebt: es dauerte nicht mal drei Minuten und gekostet hat es 45 €. Ich wollte gar nicht wissen, was es mich jetzt kosten sollte.

Mein Handy ließ ich auch zu Hause liegen, wie auch mein Drehzeug. Polly, die Gassitasche und meine Potte waren alles was ich mit hatte. Stuart googelte dann über sein Smartphone und ließ mich telefonieren. Unser lokaler Schlüsseldienst Michalek schien mir am unkompliziertesten, da die hier so den Markt in Sachen Schlüsselkram anführen. Der Herr am anderen Ende der Leitung sagte, er wäre in 15-20 Minuten da, worauf ich antwortete, dass ich draußen am Eingang auf ihn warte. Wir gingen ein kleine Runde mit den Hunden und belagerten dann den Hauseingang. Der frostige Wind zog durch die Straße, also verkroch ich mich im eingebuchtetem Türrahmen. Wir warteten eine Dreiviertelstunde und keiner kam. Meine Laune war düster und wir gingen vorerst hoch, um uns aufzuwärmen. Meine frierenden Zehen taten schon weh und auch Polly war durchgefroren. Stuart stornierte den Schlüsseldienst telefonisch und bat ein Freund um Hilfe, der da schon Erfahrung hat. Der kam recht zeitnah mit Werkzeug und machte sich als Werk. Erst zog der mit einer Zange den Gummi raus. Dann klingelte es und ich musste runter. Stuart kam mit, weil meine innere Anspannung mich zur Furie mutieren lassen kann. Es war der bereits stornierte Schlüsseldienst, der nach über einer Stunde völlig planlos vor uns stand. Nach kurzem Rumgemoser meinerseits, meldete sich Verzweiflung, also fragte ich hyphotethisch was für Kosten anfallen und er antwortete: „50 €.“ Dann meine Frage nach der Zahlungsmöglichkeit: „Bar oder mit Karte.“ Toll, dachte ich mir. So viel Schotter habe ich nicht da und meine Karte ist bei meinen Eltern. Ich ging wieder hoch, Stuart schickte sie weg und Kutteschürschuh versuchte noch einzubrechen. Nach ungefähr zwanzig Minuten gelung es mit vereinten Männerkraften. Ich war so endlos erleichtert, konnte richtig spüren, wie mir der Stein vom Herzen fiel. 

Es gab ein Happy End, der Tag war für mich trotzdem gelaufen. Schule ließ ich sausen und weiter ausgepackt habe ich auch nicht. Ich lag einfach nur breit auf dem Bett und hab ausgiebig mit Polly gekuschelt. 

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Ein Gedanke zu “Der missratene Mittwoch

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