Endlich umgezogen – in mein neues Leben

Vergangenes Wochenende haben Ramsch, Hund und Besitzer den Wohnort gewechselt. Polly und ich sind umgezogen mit tatkräftiger Unterstützung einiger Familienmitglieder, Klassenkameraden und Freunden. Dieser muskelkraftlastiger Akt  verlieft stellenweise holprig, größtenteils jedoch gut, zumal da so einige Welten aufeinander geprallt sind. Es blieb friedlich und ich bin glücklich in meiner neuen, gemütlichen Dachgeschosshöhle. Die Lage begeistert mich zwar weniger, aber die Bude dafür umso mehr. 

Am eisernen Ende des Tages, verblieb mein engster Kreis, der Rest meiner Helferhelden, auf meiner Couch, die das sperrigste, zerstörerischste Stück war. Im Hausflur der alten Wohnung wurde der gläserne DDR-Glaslampenschirm zerdeppert und das hat gepoltert, … meine Fresse. Kraft- und nervenaufreibend, aber erledigt. Wir genossen die geschaffte Arbeit, waren erschöpft und kamen zur Ruhe. Sören und ich planten schon im Voraus, dass wir die erste Nacht im neuen Heim gemeinsam verbringen. Wir sind Zwillelinge (<- Wortneuschaffung meiner hormonbelasteten, kugeltragenden Mutter) und müssen solche Erlebnisse als Geschwister teilen. Wir sind auch schon fester Bestand in der Familie des anderen, die betrachten uns eben als ein Packet. Wer den einen nimmt, hat auch den anderen an der Backe. Lennox war entkräftet und fuhr später nach Hause. Der Plan war, dass er nach Abendessen und Waschgang wieder rüber kommt, um die Einweihung zu feiern. Als er auf seinem Drahtesel los strampelte, fuhr Stuart uns zum Kiez, Sören sammelte Ranger ein, ich holte noch Kleinigkeiten aus der alten Höhle und machte einen kurzen Check: Bestandsaufnahme des restlichen Inhalts, Heizung abgestellt?, Fenster richtig verschlossen?, kein notwendigen Kram vergessen? Alles abgehakt, Licht aus, abgeschlossen und zurück ins Auto. Sören kam ein paar Minuten nach mir zurück, mit Hund und Handgepäckt. Drei Menschen und drei Hunde im Auto, etwas bedrängt, aber zu entkräftet, um sich aufzuregen. 

Endlich wieder angekommen, platzierten wir unsere schlaffen Bodys auf die Couch und wollten alle nur noch den Tag auslaufen lassen. Lennox fühlte sich nicht anders. Nach der Radtour, war er kaputt und auch zu schlapp, um nochmal her zu strampeln. Wir verschoben die geplante drogenlastige Einweihungsnacht und machten uns allmählich bettfertig. Im Bad gab es noch kein Licht, weil keine Lampe montiert wurde, denn es gab keine. Sören verteilte am Wannenrand und Waschbecken Sternchenteelichter,  die mir meine Mutter fürsorglich gab. Das Bad ist mollig, durch die Schräge und von der Fläche her geradeso ausreichend, ergo: Sören schuf eine gemütliche Atmosphäre, warmer Kerzenschein und leicht sauniertes Raumklima sorgten für totale Entspannung. Ich lehnte mich in der neuen, viel besser zu mir passenden Badewanne zurück. Diese war kleiner und schmaler, viel besser als die alte. Die war breit, gut für zwei, aber ein Spargeltarzan wie ich ist Dauerwaren verloren. Außerdem hat mich der Wasserverbrauch gestört. Das hat endlich ein Ende! Ich fing an zu grinsen, entspannte jede Muskelfaser und schloss die Augen. Nach einem kräftigen Atemzug, grinste ich immer noch. Es fühlte sich so an, als wäre endlich Frieden, als wäre der Krieg endlich vorüber. Nach all den Schlachten nimmt es sein Ende. Die Beziehung mit Sid zu beenden, war da beste, was ich tun konnte. Ich fühle mich so entlastet und befreit. Trennungsschmerz war nicht da, ganz im Gegenteil: sobald er in irgendeinem Sinne in mein Kopf kam, war ich froh, dass er weg ist. Ich vermisse nichts, denn meine Liebe wurde erstickt und die Geschehnisse bis zum letzten Kontakt, verstümmelten meine erstickenden Gefühle mit glühenden Klingen. Übrig geblieben ist ein Klümpchen Narbengewebe, abgelegt im Schatten meines Gedächtnisses. Auch die Stressphase nahm ihr Ende: Arbeit, Schule, Klausuren, Termine, Wohnungssuche und zwischendurch Luftschnappen, um meinen Hund zu lieben und versorgen. Dazu noch die Trennung mit dem pubertären Kotzbrocken, der Probleme besonders stresslastig gestaltete. Ich hab genug gejammert und bin auch endlich mental damit durch. 

Mit dem Umzug konnte ich, zusammen mit der alten Wohnung, auch das alte Leben hinter mir lassen. Im absoluten wohlfühlmodus, wasche ich mir den Dreck des letzten Kapitels vom Leib und tauche frisch gewaschen, in mein neues Leben, im neuen Umfeld, mit neu gewonnener Lebenskraft ein.

Gefühlt war es schon mitten in der Nacht, wie spät es wirklich war, weiß ich nicht mehr. Schon gegen 18 Uhr, dachte ich es wäre 22 Uhr. Wir gingen alle zu Bett, sanft geküsst von den cannabinoiden Lippen Mutter Naturs. 

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2 Gedanken zu “Endlich umgezogen – in mein neues Leben

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