So nah und doch so fern.

Ich hab echt die Schnauze voll und will nur noch heulend am Boden liegen. Gerade komme ich aus der Schule, von der fünfstündigen Matheklausur, mit der ich gerade mal zwei Stunden beschäftigt war und dann kein Plan mehr hatte. Super, dass war dann wohl das Himmelfahrtskommando für mein Abi. Es kotzt mich an, dass ich keine Zeit zum Lernen hatte. Ich stand da wie ein Sonderschüler, zumindest habe ich mich so gefühlt. Nachdem ich eine Aufgabe gerechnet habe, mit der ich klar kam, fing mein Kopf an weh zu tun, hinter meinem rechten Auge, bis hoch zur Stirn. Das hat gezeckt, als hätte mich jemand mit einem Rohr geschlagen. Als ich durch war mit dem was ich irgendwie hingekriegt habe, war meine Konzentration wieder weg. Ich hab kaum kapiert was in den Aufgaben stand, also habe ich abgegeben und bin losgefahren. Die ganze Heimfahrt über standen mir die Tränen in den Augen und ich wollte einfach nur nach Hause. Dort angekommen musste ich feststellen, dass Polly das Auge eines Teddys zerstört hat, der schon so gut wie mein ganzes Leben lang an meiner Seite ist. Dabei wollte ich nur nach Hause und mit ihr kuscheln, aber ich bin ausgerastet, hab sie angeschrien und auf ihr Platz geschickt. Die Reaktion war echt übertrieben und jetzt tut mir mein Hund leid, denn sie hat den ganzen beschissenen Nachmittag gebündelt abgekriegt.

Es war nicht nur die Matheklausur, die mich in diese verzweifelte Gefühlslage gebracht hat. Als ich los musste zur Schule, rief Sid mich an und schaffte es zwei Sätze vernünftig zu reden, bevor er das Drama eröffnete. Er spielte wieder die Opferrolle überhaupt, also hab ich aufgelegt. Dann terrorisiert es mich weiter mit Anrufen. Beim dritten Mal ging ich ran, um ihm zu sagen, dass er mich in Ruhe lassen soll. Wieder kam nur ein Satz im zivilisierten Ton raus und ich dachte mir so, alter? Was für ein Psychopath! Ich hab dann wieder aufgelegt. Wegen dieser Aufregung habe ich die Unterlagen vergessen, die ich meine Mutter für den zu beantragenden Wohnberechtigungsschein geben musste. Das fiel mir erst auf, als ich schon losgefahren bin, also rief ich Mutti beim Radfahren an. Die hat dann wieder rumdiskutiert, obwohl ich mir schnell Bescheid sagen wollte und extra betont habe, dass ich Fahrrad fahre. Boar echt! Das ist nicht wie beim Autofahren, dass man ’nen Metallpanzer um sich hat. Erst als ich sie fragte, ob es so wichtig sei, dass ich es jetzt unbedingt vor der Klausur, auf meinem Fahrrad wissen müsse, hat sie kapiert, dass telefonieren jetzt ungünstig ist. Ich bin ja froh, dass meine Mutter mir mit dem Umzugskram hilft, aber sie kennt keine Grenzen.

Mein Leben hat mich heut mal wieder herzhaft gefickt und wenn ich daran denke, dass mein Wecker morgen wieder so früh klingeln und ich so spät er wieder nach Hause komme, um am nächsten Morgen gleich wieder vom Wecker geweckt zu werden, dann macht es einfach nur Boom unter meiner Schädeldecke. Um so näher ich dem Ende des Tunnelblicks komme, desto weiter Schein es entfernt zu sein.

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