Stress all over me 

Heute ist Sonntag! Das Wochenende ist so gut wie vorüber, dabei habe ich nicht mal bemerkt, wie es angefangen hat. Seit über zwei Wochen fühle ich mich, als würde ich nur noch durch mein Leben sprinten. Es sieht äußerlich wahrscheinlich so aus, als würde ich von einer Verpflichtung zur nächsten hetzten, aber ich fühle mich eher wie eine Katze, der was an der Rute hängt: mit unerklärlicher Panik renne ich orientierungslos in den Tod. Keine Ahnung warum Katzen da so ausrasten, aber ich wüsste es gerne. Wie auch immer … 

Der ganze Stress fickt mich so dermaßen, dass ich um jedes bisschen Energie ringe. Meine Augen sehen ein klares Bild, aber nur um nirgendwo gegen zu rennen. So ziemlich alles, was um mich herum passiert, passiert einfach nur. Nicht auf der coolen Art, wie auf Teile oder Pilze, sondern auf der verkacken, gefühllosen Weise. Mich kümmert kaum noch was, ich reg mich höchstens auf. Solange Polly bei mir ist oder auch Sören, Lennox, meine Schwestern, ist alles cool: ich kann mich freuen, kann mitfühlen und es erleben. Aber es gibt auch die Momente, in denen keiner da ist. Es geht nicht mal darum, einsam zu sein, es geht eher um die Lawine, die auf mich zu rollt. Meine Augen betrachten mein Umfeld, doch in meinem Hirn kommt nur ein Tunnelblick an. Wegen der Lawine, sprinte ich wie die Katze mit Klimbim an der Rute. Ich kann nicht einfach anhalten, nein, ich muss weiter rennen, als wäre ich auf der Flucht in einer Endlosschleife. Auf der Flucht wovor? Die Flucht vor dem eiskalten Tod unter der tonnenschweren Lawinendecke. Mir ist schon vor ein paar Tagen die Luft ausgegangen und die Seitenstiche durchlöchern mich, wie eine abgesägte Schrotflinte. Wegen dem Tunnelblick, sehe ich nur Lichter und Farben, von dem ganzen Kram, durch den ich renne. Obwohl ich ein klares Bild wahrnehme, sehe ich doch nicht, was es ist. Keine Wunder, dass enorm vergesslich bin. Vorgestern bin ich zu Rossmann gegangen. Der Hauptgrund dafür waren schwarze Feinstrumpfhosen für die Arbeit. Wieder zu Hause angekommen habe ich zwar Küchenrolle, Weichspüler und Leckerli, aber keine verdammte Feinstrumpfhose.

Von Sid habe ich mich getrennt. Wir haben uns dieses Mal nicht gefetzt, angeschrien oder sonst was. Etwas gezankt haben wir schon, aber wir haben uns im Guten getrennt. Ich kann kaum glauben, wie krass erleichternd sich das anfühlt. Ich bereue nichts. Es ist so besser, für beide von uns. Momentan kriegt es keiner von uns auf die Reihe genügend Liebe und Aufmerksamkeit aufzubringen.

Wenn ich nicht bald vor der Lawine entkomme und den Kladderadatsch an meiner Rute los werde, sprinte ich geradewegs in die Besinnungslosigkeit. Das Treffen mit Frau Hegersdorf war amazing. Sie hat ihr langes Haar auf Schulterlänge gekürzt und es steht ihr sehr gut. Es hat sich auch gar nicht komisch angefühlt, ganz im Gegenteil: ich war aufgeregt und habe mich gefreut. Als ich in der Bahn saß und den Silokanal überquerte, fing ich an zu grinsen. Auf dem Görden war ich schon angekommen, nun musste dich Bahn mich nur noch zum Arsch der Welt bringen und ich bin da. Der Tunnelblick war für eine kleine Weile vergessen und dennoch konnte ich ihn sehen, als ich Frau Hegersdorf schilderte, wie mein unfuckingfassbares Leben stresst. Erst erzählte ich von der beschissenen Arbeitseinteilung, dank der ich jeden Wochentag morgens auf der Matte stehen soll und dann auch noch an beiden Wochenendtagen. So lief das elf oder zwölf Tage am Stück und dazu kommt noch die Schule, die verfickte Schule! Hier Hausaufgaben, ein hässlicher Physikvortrag, da eine Klausur, denn noch ein Mathetest, und noch eine Klausur, ein Gedicht vortragen mit anschließender Analyse und Interpretation. Weiter geht’s mit einem schriftlichen Referat für Geschichte über die außenpolitische Lage der Weimarer Republik und dazu kommt noch ein Kurzvortrag über die Gleichstellung 1933. Keine Ahnung ob das alles war, aber ich hoffe da steht nicht noch mehr in meinem Hausaufgabenbüchlein. Letzte Woche habe ich jedes Mal, ungefähr eine halbe Stunde nach Unterrichtsbeginn Kopfschmerzen bekommen. Dabei tat ein breiter Streifen auf der linken Seite besonders weh. Meine Konzentration ist … keine Ahnung wo! Auf jeden Fall nicht da, wo sie sein sollte. Ich fühl mich echt wie ein Sonderschüler auf einer Schule für Hochbegabte, die auf japanisch unterrichtet werden. Ich sitze einfach nur da und kriege nicht mal mit, wie mir die Sabber den Mundwinkel runterläuft. 

Ich will nur weg! Weg von unnötiger Verantwortung und Verpflichtungen. Irgendwohin, wo kein kranker Stadtlärm an meiner Hirnhaut schabt und ich im Schutze von Mutter Natur ein langes, tiefes Schläfchen halten kann. 

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