Herbst ohne Farbenpracht

Dieser Herbst ist nicht wie sonst. Das Klima hat dafür gesorgt, dass die Blätter vertrocknen, bevor sie sich verfärben konnten. Ich find es schade, dass es kein bunten Herbst gibt. Nur wenige Blätter sind farbig.


Polly und ich sind heut Morgen im Hunboldthain spazieren gegangen und als wir gerade im braunen Blättermeer Ball gespielt haben, kam eine ältere, aber noch rüstige Dame mit einem großen schwarzen Hund vorbei. Er guckte beneidend Polly beim Ballspielen zu, dann wurde er von Polly entdeckt. Ich stecke den Ball weg und Polly rannte zu Mobi. Sein Frauchen und ich, wir haben ein schönes Gespräch geführt und dabei entdeckt, dass wir die Welt vom selben Standpunkt aus betrachten. Wir haben uns gleich verstanden und hoffen beide uns mal wieder zufällig übern Weg zu laufen. Dabei ist uns auch aufgefallen, dass wir morgens zur selben Zeit rausgehen. Im Nachhinein ist mir noch bewusst geworden, dass diese Dame, dessen Name ich nicht weiß, glatt ein Abbild meiner Zukunft sein könnte. Vom Körperbau waren wir uns sehr ähnlich, ihr Haar ist so fein, wie meines und sie trug auch Leggings mit Stiefel. Sie ist wirklich sympathisch.

Indianerkraut 

Heute vor der Schule sind Lennox und ich zu unserem örtlichen Headshop am Steintorturm gegangen, einfach nur so. Ich wollte nur mal gucken, aber bei der Gelegenheit habe ich mir gleich Filter Tips und Applepapers geholt, also Drehpapier mit Apfelgeschmackt. Wir haben auch etwas mit der Besitzerin gequatscht, nachdem sie damit fertig war, Polly anzuhimmeln. Sie musste sich an einen ehemaligen Hund von sich erinnern, der auch ein Jack Russell-Shih Tzu Mischling war. Wie die Besitzerin heißt, weiß ich nicht, aber sie hat eine einladende und sympathische Persönlichkeit. Nachdem Wuffigerede, kamen wir auf das Thema Kiffen. Ich frage was da so alles rum steht und wurde kompetent beraten, dazu auch noch sehr freundlich. Ich weiß jetzt was genau Blunts sind und, dass es Tabak ohne Tabak gibt. Mich nervt es schon seit längerem, dass ich Tabak zum Kiffen brauche. Ich rauche auch Pursticks, aber das ist weniger cool, denn ich spüre den Qualm im Hals nicht und das stört mich. Mit Vaporizer habe ich es auch schon probiert, Lennox benutzt einen, aber das ist auch nicht so mein Ding. Tabakjoints finde ich am besten, aber Teer und Nikotin sind weniger toll. Das nervt mich schon seit ein Weilchen, denn Zigaretten rauche ich mir noch selten. Eigentlich nur noch, wenn ich in der Schule oder bei der Familie bin. Unterwegs zu rauchen ist mir eh irgendwann zu blöd geworden. Das wirkt irgendwie lodderig und als hätte man es echt nötig. Außerdem ist es mir unangenehm Passanten versehentlich anzupusten, besonders bei Kindern ist es kacke, wenn die durch eine Qualmwolke laufen. Und ich hasse es, die Kippe einfach so auf die Straße zu werfen. Mülleimer sind nicht überall und ich hab auch kein Bock ’nen Aschenbecher umherzuschleppen. Die Liebe Frau vom Headshop hat mir eine Tabakalternative vorgestellt, von der sie bereits viele gute Feedbacks erhielt und persönlich auch davon begeistert ist. Es geht um Knaster Kräutermischungen. Auf der Packung steht, dass es aus Naturkräuter besteht, die nach indianischer Tradition zusammen gestellt wurden. Diese Mischungen wurden angeblich auch bei Ritualen geraucht oder geräuchert. Klar würde ich neugierig, also habe ich eine Packung mit Kirschgeschmack zum probieren mitgenommen. Es gab unter Anderem auch Whisky und Hanf war leider vergriffen.

Noch vor der Schule habe ich die Kräuter ausprobiert. Es war grundsätzlich etwas herber, aber es raucht sich wie Tabak. Viel mehr kann ich noch nicht so wirklich sagen, denn ich hab mich einfach darüber gefreut, dass es dem Tabak so nahe kommt. Ich werde natürlich noch online recherchieren, was genau das ist und wie es Einfluss auf die Gesundheit nimmt. Doch zunächst freue ich mich über die neuste Entdeckung und ich bin schon gespannt, was Sid dazu sagt. So ziemlich genau in zwei Tagen kommt er endlich wieder zu Hause an und ich freue ich mich schon auf ihn, auch wenn ich ihn nicht wirklich vermisst habe.

Es gibt wieder feste Nahrung

Boar, wie geil! Heute geht es meiner Kauleiste schon so gut, dass ich kauen kann. Mini-Salamie oder Schwarzbrotkanten sind logischer Weise noch nicht drin, aber sowas wie Milchbrötchen, Pizza und Soft-Cakes sind kaubar. Das ist so amazing, was für ein Geschmacksorgasmus. Das ganze breiige Zeug würde echt schön langweilig. Jeden Tag nur Grießpudding, Joghurt, Kaltschale, Milchreis und Apfelmus. Heute früh erst dachte ich so: bäh, das pampige Zeug kommt mir echt schon zum Hals raus. Zum Glück ist die Schwellung auf der einen Seite ganz weg und es ist auch nichts zu spüren, außer wenn Polly vor lauter Freude gegen springt und auf der linken Seite ist noch eine kleine hatte Beule mit kleiner Schwelllung. Die Seite ist noch etwas empfindlich, besonders, wenn ich zu fest zu beiße. Aber immerhin kann ich kauen und es ist so toll intensiven Geschmack zu verspüren.

Wenn ich schon mal beim Thema Zähne bin: ich hab heute Zahnpflegewerbung gesehen und musste mir echt an den Kopf fassen. Die eine war von der neuen Oral-B Genius Zahnbürste. Ich konnte es echt nicht begreifen, dass es dazu eine App gibt, die anzeigt, wenn man viel Druck ausübt. Unglaublich! Da brauch man sich nicht wundern, dass das Volk verblödet, wenn man nichts mehr selbst können muss. Das ist was, was die Welt nicht braucht! Rettet lieber die Umwelt und überlegt euch nicht, wie man die Menschen noch abhängiger von ihrem Smartphone macht. Irgendwann muss man gar nichts mehr können und die Dummen verblöden noch mehr. Wie auch immer… Dann war da noch eine Zahnpastawerbung, die ein super weißes Lächeln verspricht. Sie zeigt einem, dass man sogar Strafzettel mit so einem strahlend, gar schon blendendem weißen Lächeln untern Tisch kehren kann. Kümmert es denn heutzutage niemanden mehr was Werte sind? Erinnerst sich keiner mehr an den Alten Fritz und seine preußischen Tugenden? Pünktlichkeit, Sorgfältigkeit, Anstand und so weiter? Früh am Morgen hab ich noch Hoffnung, doch spät am Abend verwandelt sich die Hoffnung in eine riesige Kackerlake, die am Ende an einem fauligen Apfel im Rücken verreckt. Franz Kafkas ‚Verwandlung‘ ist ein gutes Beispiel dafür, wie Hoffnung in einer Katastrophe und Verzwiflung endet. Das Fernsehen sollte bilden und nich verblöden, doch das macht die Regierung nicht mit, denn ein schlaues Volk stellt Fragen, worauf die angeblichen Demokraten keine Antworten finden, ohne dass sie selbst schlecht dabei wegkommen.  Man sollte sich einfach nicht vom Fernseh beeinflussen lassen, sondern nur das Entertainment genießen. Nur genießen und nicht mit der Realität verwechseln.

Der frühe Vogel, die Morgenstund‘, die ersten Sonnenstrahlen, …

Was ist nur los? Seitdem ich keine Weisheitszähne mehr habe, werde ich jeden Morgen gegen 7 Uhr wach. Meine Augen öffnen sich während die Sonne ihren Schein über Mitteleuropa wirft. Einschlafen kann ich dann nicht mehr und müde bin ich auch nicht. Also stehe ich jeden Morgen so früh auf und gehe erstmal mit Polly spazieren. So früh raus zu gehen ist wirklich schön. Die Luft ist angenehm frisch und befreiend, man kann gar den kühlen Tau riechen. Außerdem herrscht eine friedliche Stille. Alle gehen schweigend in sich gekehrt zur Schule oder zur Arbeit, ein paar rufen ihren Hund oder telefoniere, andere telefonieren und zwischendurch fährt eine Straßenbahn oder ein Auto vorbei. Man wird noch nicht von einer Lärmwelle überflutet, sondern hört die Vögel melodisch zwitschern. Der Tag ist noch so unbefleckt und die sanften Sonnenstrahlen erhellen die Hoffung. Hoffnung darauf, dass der Mensch seinen Verstand wieder findet und seine Heimat so behandelt, wie sie es verdient. 

Mich stört das frühe Wachwerden nicht, eigentlich finde ich es ganz toll. Ich hab mehr Zeit zum chilln und zocken, außerdem habe ich das Bedürfnis was zu essen. Sonst kriege ich erst Hunger, nachdem ich circa vier Stunden wach bin. Doch ich werd wach und es fühlt sich so an, als wäre mein Magen ein Loch, ja wie ein Einschussloch einer Bazuka. Ich ess‘ also ’ne Banane oder ein Joghurt. Das tut gut und das Bazukaloch wird gestopft, zudem wirkt es positiv auf mein Gemüt. Ein früher Spaziergang mit anschließendem kleinen Frühstück tut der Seele gut. In dem Fall hat die Morgenstund wirklich Gold im Mund … hihi.

Gut, dass ich so früh wach bin, denn ich hab es das ganze Wochenende aufgeschoben für den Biotest heute zu lernen. So hab ich jetzt noch genügend Zeit dafür. Lust habe ich nicht, aber ich muss lernen, bevor ich wieder Little Big Planet 2 anmache und Stunden damit verbringe Level zu bauen. 

Was ich für Dinge gesehen habe…

Obwohl ich in den letzten Tagen nicht viel getan habe, habe ich doch einiges gesehen. Das eine Ding sah ich, als ich gerade meine Schwestern weggebracht habe. Die beiden haben hier übernachtet. Als ich bei der St. Johanniskirche aus dem Humboldthain kam, schipperte eine Art Jacht vor. Das Ding war sicher ein Stück höher als die Havelfee und hat Antennen, Satelliten und so ein Kram auf dem Dach. Zudem hat der Kahn rund herum verspiegelte Fenster, außer hinten. Letztendlich war auch alles auf Hochglanz poliert. Das Ding sah aus wie von der NASA mit einer alten Schabracke vorne drauf liegend. Sie haben hier angelegt und alle Blicke auf sich gezogen. Was für Poser …, mit ’ner Jacht inner Kleinstadt anlegen … Na die müssen es ja nötig haben. 

Ein Weiteres Ding war der Biber. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es wirklich der Biber war, aber wenn es nicht er war, wer oder was soll es sonst gewesen sein? Vorgesternnacht, als ich mit Polly auf dem Rückweg vom Spazierengehen war, blickte ich rüber zur beleuchteten Kirche und sah unten im Blickwinkel etwas schwimmen. Erst dachte ich mir, was die Ente nachts und mutterseelenallein umherstreift, aber dann sah ich genauer hin. Es war keine Ente, denn es schwomm an der Wasseroberfläche, war aber unter Wasser. Immer geradeaus am Ufer entlang schwimmend, ganz geschmeidig. Es muss der Biber vom Theaterpark sein, den ich das letzte Mal vor über einem oder schon fast zwei Jahre nicht mehr gesehen habe. Schön zu wissen, dass er noch da ist.

Was ich in den letzten Tagen allerdings nicht gesehen habe, war der Mond. Liegt vielleicht daran, dass ich meinen Kopf sich nur beschränkt drehen lässt oder daran, dass er einfach nicht sichtbar war. Am Donnerstag war ich sehr erschöpft, aber ansonsten habe ich mich gut erholt. Die Schwellung ist Tag für Tag zurück gegangen und ich kann mich recht gut ernähren, zumindest den Umständen entsprechend. Der Großteil meiner Nahrung ist breiig, was sich auch beim Stuhlgang bemerkbar macht. Weniger Stuhl, als viel mehr Sandsack. Heute kriege ich mein Mund schon etwas weiter auf und auf der einen Seite ist kaum noch eine Beule zu sehen. Ich bin zuversichtlich, dass ich mit Beginn der nächsten Woche wieder normal aussehe.