Bodenfrost und Sternschnuppenstaub


Die Sonne malt Streifen aus Schatten auf die Wiese und bringt den Bodenfrost zum Tauen. Dabei war heut früh gerade mal 1-frostiger-° C draußen. Aber der Wind ist weg, daher erträglich. Letzte Nacht habe ich mein Biovortrag komplettiert. Mir fehlen zwar noch die Karteikarten zum Vortragen und ein paar Bilder, um meiner Klasse Zooparasiten zeigen zu können, aber faktisch ist alles da und bis Donnerstag ist sogar noch Zeit. Geschichte muss erst zu Ostern fertig sein. Vielleicht nehme ich farbige Blätter für die Facharbeit, stecke sie mit Eierlikör ins Ostergras und lasse Frau Wendtland das Schulgelände absuchen. Wahrscheinlich wirft sie mir dann sechs Eier an die Birne, um mir meine Note mitzuteilen.

Sören ist gerade rüber gekommen und vergnügt sich jetzt in meiner Wanne. Ich steh aufn Schlauch und weiß nicht so recht was ich als nächstes machen soll, aber ich hab Bock mich zu meiner chronischen Störung zu informieren. Meine letzten Forschungsergebnisse haben mich schon in Wallung gebracht. Also zuerst einmal war ich perplex darüber, dass meine These von Frau Mering bestätigt wurde. Als ich zu Beginn des Jahres zu meinem Psychiater Dr. Borke sollte, bin ich nicht gegangen. Einerseits habe ich zum Termin keine zwei Wochen ohne Konsum durchgezogen und andererseits habe ich mich zu Atomoxetin (der Wirkstoff vom Strattera) informiert. Frau Hegersdorf hatte es mir mal empfohlen, da das Ritalin nur an mir zerrt. Deswegen sprach ich Dr. Borke darauf an und er war einverstanden. Ich wollte es aber nicht mehr, als es soweit war, denn irgendwas war seltsam. Ich habe mich vor dem Termin dazu belesen und rausgefunden, dass Atomoxetin die Wiederaufnahme im synaptischen Spalt verhindert. Das ich weiß, was es damit auf sich hat, liegt nur am Biounterricht und dabei dachte ich, dass ich das Thema nicht in mein Hirn kriege, aber so ist es nur wenn ich in der Schule sitze, zu Hause weiß ich es. In einem ADHS´ler Hirn ist die Ausschüttung von Dopamin gestört. Das liegt daran, dass die Dopamintransporter, kurz auch DAT zu eifrig sind. Im zentralen Nervensystem soll also das Dopamin von einer zur anderen Synapse gelangen. Dazu muss das Dopamin von der einen Synapse mithilfe von Na+ über die präsynaptische Membran in den synaptischen Spalt transportiert werden, dass es von dort mit den DAT über die postsynaptische Membran am Ionenkanal mit Na+ aufgenommen werden kann. So läuft eine nicht gestörte Signalübertragung ab, aber unter ADHS´schen Umständen wird das Dopamin, wie auch das Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt an der präsynaptischen Membran wieder aufgenommen, wodurch nicht ausreichend Dopamin zur Signalübertragung übrig bleibt, denn es sollte zur postsynaptischen Membran gehen und nicht zurück. Ritalin blockt die Wiederaufnahme von Dopamin und Atomoxetin selektiv die des Noradrenalin. Zudem gehört das Atomoxetin zu den Psychopharmaka und wird als Antidepressiva eingesetzt. So! Ich will keine Antidepressiva. Die werde ich ungefähr vier Jahre einnehmen, bis mein Körper resistent dagegen ist und dann werden mir neue verschrieben, womit der Teufelskreis von vorn los geht. Allerdings habe ich auch schon vermehrt gehört und gelesen, dass Strattera bei ADHS´lern erfolgreich für einen gewissen Zeitraum eingenommen wurde und eine deutliche Verbesserung, selbst eine Weile nach dem Absetzen erzielt wurde. Abgesehen von meiner Abneigung gegenüber Antidepressiva, durch Ritalin und Strattera wird Dopamin wiederaufgenommen. Was wäre jetzt aber wenn zusätzliches Dopamin ausgeschüttet werden würde, sodass die hyperaktiven DAT ihre Arbeit uneingeschränkt ausführen können und dann bliebe noch genügend Dopamin zur Signalübertragung ürig. Wäre Madam Botwin dann nicht viel ausgeglichener und nicht so extrem impulsiv? Klar, denn Sternschnuppenstaub macht genau das! Es schüttet Dopamin und Noradrenalin aus und ich fühl mich normal, kann stundenlang klar denken und hab Bock was zu machen. Warum wirkt Ritalin nicht so, wenn es doch ein Amphetamin-Devirat, also Abklatsch ist? Versteht mal jemand diese Welt…

Advertisements

2 Gedanken zu “Bodenfrost und Sternschnuppenstaub

  1. Laut Wikipedia scheint das Atomoxetin noch in andere Signalwege einzugreifen, ein Glutamat-Rezeptor wird noch blockiert, also eine gleichzeitige Wirkung an der Postsynapse.
    Der Sternenstaub ist tatsächlich mit den Amphetamin-Medikamenten verwandt. Der wesentliche Unterschied wird wohl in der Dosis liegen. Wenn Du davon mal drei Wochen nur winzige Mengen nimmst, hast Du was ähnliches wie Ritalin.Wirkung. Medikamente sollen ja keinen Spaß machen. Für welchen Wirkstoff Du Dich auch entscheidest. Als chronisch Kranke bist Du in unserem System letztlich selbst verantwortlich, wie Du mit den Hilfsmitteln umgehst. Du solltest das kritisch nutzen. Es gibt ja auch Diabetiker, die sich brav einstellen lassen, und andere die mit viel Sport und Diät fast ohne Medikation leben können. Es kommt drauf an, was einer will und kann. Du solltest Dich erst mal so einstellen, dass Du Schule, Schlaf und Essen auf die Reihe kriegst. Wenn der Stress weniger ist, kann man sich um mehr oder weniger Pillen Gedanken machen.
    Mein langer Kommentar zum Wochenende, viel Spaß bei allem.

    Gefällt 1 Person

Schreib dein Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s