Ich fühl mich wie ein Plattfisch im Matsch

Ja, das war ein toller Tag. Ich hab den Rest von meinem Sternschnuppenstaub geschnieft und meine Schularbeiten zum größten Teil erledigt. Für die Facharbeit in Geschichte habe ich alle Recherchen getätigt und dazu alles strukturiert notiert. Das Inhaltsverzeichnis habe ich auch schon in Angriff genommen, aber nicht fertiggestellt. Ich glaub ich hänge immer noch im Mittelalter fest. Auch wenn ich vorwiegend nur auf meiner Couch saß, war ich doch den ganzen Tag auf Reisen durch die Zeit, in Paralleluniversen und bei Parasiten. Während mein Leib gerade mal gut genug zum Stift halten ist, ist meine Seele auf Forschungsreise in meiner mittelalterlichen Heimatstadt. Es ist gut so wie es war, denn wäre mein Leib mit ins Mittelalter gekommen, dann wäre er erstmal in den Sumpf gefallen. Da wo ich wohne war vor tausend Jahren noch Sumpfgebiet. Auf der Neustadtseite der Havel war das Ufer sumpfig und alles was heute auf dieser Fläche steht, steht auf Stahlträgerbefestigungen. Hoffentlich wird mir das nicht mal zum Verhängnis … na nur mal gut, dass das hier keine Erdbebenregion ist. Angefangen hat meine Reise 928, als hier noch fast alles wüst war. Ein paar letzte Grüppchen von Germanen siedelten hier und die Slawen kamen. Das war alles so aufregend. Ich liebe es Vorträge und Facharbeiten auszuarbeiten. 

Es kam irgendwann der Punkt, an dem ich das Mittelalter erstmal wieder in der Vergangenheit lassen wollte. Ich vertrat mir also ein wenig die Füße in der Gegenwart. Zuerst stiefelte ich zum Pott und anschließend zum Schreibtisch. Ich wusste, dass das was ich suche, irgendwo auf dieser zweiteiligen Arbeitsfläche liegt. Hätte ich mir in diesem Moment was wünschen können, dann hätte ich mir eine epische Piratenschatzkarte gewünscht. Natürlich eine die mich zu meinem versteckten Osterei bringt. Geschichte musste einfach mal Geschichte bleiben, also peilte ich meinen Biovortrag an, denn ich hatte Bock drauf. Letztes Jahr habe ich diesen Vortrag schon einmal ausgearbeitet, aber ich kam nicht mehr dazu ihn vorzutragen, denn ich stand am apokalyptischen Abgrund meines Lebens. Fast ein Jahr ist es her, als ich die Schule unterbrechen musste, um mich um mein Untergewicht und Einschlafproblem zu kümmern. Tja … momentan ist die Lage sogar irgendwie noch beschissener als letztes Jahr, weil ich mich seit über einem halben Jahr so fühle, als würde ich in der Wiederholung meiner Vergangenheit stecken. Ja, als würde ich hier einfach so rumstehen, hier im Sumpf, wo ich nicht weg komme. Jetzt geht es endlich wieder vorwärts, in eine Welt, die ich nicht schon mal erlebt habe. Dieses Jahr werde ich den Vortrag in Bio halten, auch wenn der Termin auf meinen Geburtstag fällt. Zudem ist der Vortrag schon mal grundlegend da, naja … zumindest irgendwo da auf dem Schreibtisch zwischen den anderen Zetteln. Überraschenderweise habe ich ihn schneller gefunden, als erwartet. 

Vergangenes Jahr war mein Thema der Parasitismus und jetzt Parasitismus im Tierreich. In meiner ehemaligen lahmarschig-langweiligen Klasse waren wir nur noch sechs, ohne mich fünf und zwei haben mit der zwölften aufgehört. Jetzt sind wir zwölf Schüler, deswegen wurde das Thema wohl unterteilt. Aber egal, ich hatte Lernlaune. Das ging recht zügig von statten, aber ich muss mir noch ein paar Hintergrundinformationen einholen. Parasiten sind echt ekelhaft und bösartig, bäh. Dann wuselte ich ein wenig umher und fuhr zurück ins Mittelalter. Mit der Zeit kam auch Sid von der Arbeit und Sören kam auch zu Besuch. 

Die Fahrt mit dem Sternschnuppenexpress war ohne Turbolenzen und jetzt habe ich mich ins Bett gelegt, zünde gleich meinen, noch nicht einmal gedrehten Joint an und lasse mein fantastisches Abenteuer durch Bildung, Zeit und Parasiten gediegen ausklingen.

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7 Gedanken zu “Ich fühl mich wie ein Plattfisch im Matsch

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