Es schmerzt immer noch

Obwohl mir meine Gefühle ganz schön verstümmelt vor kommen, fühle ich doch ab und zu noch richtig, zumindest Schmerz. Ich war mit Polly draußen und bin mit ihr an einen Ort gelaufen, an dem ich mit ihr noch nicht war. Wir waren bei meiner Omama. Sie wohnt am Bahnhof, neben dem Brennaborhof. Da wo auch andere Leiblosen wohnen. Mein Uropa ist da auch. Ich hab mich zu ihr gesetzt und ihr Polly vorgestellt, dann fing ich an zu flennen und konnte nicht mehr aufhören. Wie jedes Mal, wenn mir bewusst wie sehr ich sie vermisse. Es ist schon fast achtzehn Jahre her und diese Jahre waren nicht gerade schön. Als sie gehen musst, zerbrach die Familie nach und nach immer mehr. Es waren echt beschissene achtzehn Jahre und all das kommt hoch, sobald ich sie vermisse. Dann sehe ich meine Schrottfamilie, in der es nie wirklich Liebe gab, in der sich jeder selbst der nächste ist und in der wohl kaum einer weiß, was Familie überhaupt bedeutet. Zeit heilt keine Wunden, man lernt nur mit dem Schmerz zu leben. Bushido weiß schon wovon er rappt. Immer wenn ich an meine herzallerliebste Omama denke, rollen mir die größten Krokodiltränen runter. Und was noch viel mehr weh tut, ist dass der Rest der Familie sie anscheinend vergessen hat, denn niemand geht sie besuchen. Nur ich. Ich bin die einzige, die mit dem Grabstein redet und rüber zu Opas Wiese geht. Wie kann ich nur in Mitten so schrecklicher Leite aufwachsen. Meine Oma ist da die einzige Ausnahme. Ich weiß nicht, wie oft ich mir als Kind gewünscht habe eine Waisenkind zu sein und keine Familie zu haben, denn das wäre auch nicht anders gewesen. Hört sich hart an, aber wenn man stets stehen gelassen wurde, dann ist man seiner Mutter weniger dankbar für sein Leben. Und mein Vater? Entweder ist es der eine oder der andere. Der eine ließ mich allein, da würde ich gerade fünf und der andere meldete sich dann als ich fünfzehn wurde. Es gibt keinen Vaterschaftstest, dafür aber Ungewissheit. Ich habe meinen Vater nie vermisst, weil ich nicht wirklich wusste, was einen Vater ausmacht, denn der eine der da war, war eher ein Spielkamerad. 

Ich bin schon wieder traurig und fühle mich so verwundbar, völlig ungeschützt und schwach. Ich will raus aus meiner Haut und ein stinknormales langweilig Leben führen. Eins das nicht kaputt ist und in dem ich nicht ständig von der einen zur anderen Person geschoben werde. Wer wundert sich da noch, dass ich Probleme habe Rollen in mein Leben neu zu besetzen!

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