Der leichte Frost im Wind

Gerade war ich mit Polly unten und spürte den leicht frostigen Windhauch, als ich durch die kleine gruselige Gasse ging. Der Herbst ist faszinierend … einfach abwechslungs- und facettenreich. Nachts sieht man leider die schönen Färbungen der gefallenen Blätter nicht so gut, aber dafür habe ich gestern Mittag ein anmutiges Laubblätter fotografiert. Wäre heute ein Wochentag, dann wäre ich der Geisterbahn begegnet, in der ich noch nie mehr als zwei Fahrgäste gesehen habe, aber es ist Samstag in aller herrgotts Frühe. Gesternabend fuhr ein spontaner SternschnuppenExpress ins Bunte und ich stieg ein. 

Momentan hat mein Leben keine nennenswerten Highlights. Am vergangenen Dienstag, Mittwoch und Donnerstag habe ich vor der Schule gekifft und war dadurch sehr entspannt in der Schule. Zwar habe ich keinen Schimmer was ich mit meiner Englischklausur gemacht habe. Ausgeteilt wurde uns ein Blatt auf dessen Vorderseite drei Aufgaben standen und auf der Rückseite ein Text in großer Schrift, der knappe zwei Romanseiten lang war. Aufgabe A bestand darin, dass man eine Zusammenfassung vom Text schreibt; bei Aufgabe B sollte man die Sprache mit der beschrieben wurde analysieren und zu Aufgabe C sollten wir einen Tagebucheintrag als einer der zwei Damen aus der Kurzgeschichte mit circa zweihundert Wörter schreiben. Zu dem Aufgabenblatt gab es zwei beidseitig linierte Blätter mit breitem Korrekturrand. Da hat der Kloppenburg doch ernsthaft linierte Blätter ausgeteilt, dass uns weder Spicker im Spiralblock von Nutzen waren oder wir gar zu viel schreiben können. Auf zwei Blättern hatte jeder vier Seiten Platz zum Schreiben und es wäre maximal noch ein weiteres Blatt pro Schüler da gewesen. Nun ja, nach siebzig Minuten habe ich die Vorderseite des ersten Blattes mit Aufgabe A und B beschrieben und auf der Vorderseite des zweiten Zettels kam der Tagebucheintrag. Einhundertfünfunddreißig Minuten hätte ich dafür Zeit gehabt und zum Ende der ersten Hälfte war ich bereits mit dem zweiten Durchsehen fertig. Somit war ich die erste, die ihr Schundblatt ins Feuer warf. Fred sagte mir am Tag danach, dass er fünf Minuten nach mir abgab. Die Klausur schien irgendwie zu easy und genau das macht mir Angst. Seitdem wir Englisch mit dem blöden Kloppenburg haben, fühle ich mich wie eine Niete in dem Fach. Bis Ende letzten Jahres war Frau Ewald noch da. Sie war eine wirklich prima Englischlehrerin und dazu noch sehr sympathisch. Wir haben vernünftige Aufzeichnungen gemacht und Tests geschrieben. Ein ganz normaler Fremdsprachenalltag mit Frau Ewald beinhaltete Vokabellisten, Zeitformen, Grammatik, Diskussionen und dem ganzen Drumherum. Mit Unterrichtsbeginn holte sich jeder ein deutsch-englisch Wörterbuch oder das Oxford Wörterbuch Englisch, je nach Leistungsgrad. Der Kloppenburg macht das nicht so. Er schließt nicht einmal das Schränkchen auf, in dem die Bücher sind. Was das Übersetzen angeht: wir sollen dem Hippieleitfaden folgen und einfach so Pi mal Daumen übersetzen. Das ist ja ok, aber nicht als Dauerzustand im Unterricht. Außerdem haben wir bis zur Klausur nur Kurzgeschichten gelesen und deren Inhalt wiedergegeben. Aufgeschrieben haben wir gerade einmal die drei Typen der if-clauses und ein Vokabeln auf einem Arbeitsblatt zum Thema Beziehungen. Vielleicht bekommen wir nächste Woche schon die Klausur zurück, aber ich habe ein paar Zweifel. Denn Herr Kloppenburg wirkt auf mich wie ein elendiger Faulpelz. Mag sein, dass es wegen den lodderig-angezogenen Klamotten liegt oder auch den ihn nicht stehender Vier-/Fünftagebart. Ein Dreitagebart sieht weniger durcheinander und zottelig aus. Seit meinem zweiten Anlauf auf das Abitur nach langer Krankheitsperiode hat sich mein zweites Lieblingsfach -Englisch- in das Hassfach Nummer Eins verwandelt. Der Unterricht bei Frau Ewald hat mich nur selten gelangweilt und meine Motivation war top. Auf dem Zeugnis hatte ich meist eine Zwei plus oder Eins minus bei ihr, genau so in den Klausuren, die jedes Mal einen Umfang von achthundert bis eintausend Wörter hatten und nicht nur lächerliche vierhundert. Jetzt habe ich das Gefühl, dass meine Englischnote die in Mathe unterbietet. Einfach absurd. Wie mein aktueller Notendurchschnitt aussieht weiß ich nicht, selbst nachdem ich jede Note notiert habe. Das Schuljahr begann vor vier Monaten und Herr Kloppenburg hat als Einziger noch keine Noten verteilt. In allen anderen Fächern haben wir bereits zwei Noten. Als wir den ersten Englischtest schreiben sollten, wurde er auf die Folgewoche verschoben, weil nur sechs oder sieben von zwölf Schüler aus unserer Klasse da waren. Doch in der Folgewoche war die Besatzung wieder so lütt und dadurch unterschlug er den Test einfach. Meinem Gefühl nach hat er noch nicht einmal Mitarbeitsnoten verteilt und sollte es doch so sein, dann sollen wir es scheinbar riechen, denn der Faulenzer lässt sich gerne mal feiern. Vielleicht ist er sich ja auch nur zu fein oder schlichtweg vergesslich, denn wenn wir was über unsere Bewertung wissen wollten, mussten wir uns an ihn wenden und selbst eine Kundmachung über die Vergabe von Mitarbeitszensuren ist ihm zu viel. 

Und nun hat Polly den fünfzig-/sechszig Zentimeter langen starken Zweig, den sie sich von unten mitgenommen hatte nun völlig zerpflückt: auf der Couch. Also werde ich den Rindenstreifen und Holzfaserfetzen jetzt den Kampf ansagen. Stockreste in Sofaritzen können zu kleinen, fiesen Splittern im Finger führen. Attacke!

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