Und wenn ich groß bin, dann werde ich …

… hoffentlich das wofür ich jetzt kämpfe. Mein Traumberuf hat sich seit der fünften Klasse nicht groß verändert, aber ab da an immer wieder auf die Probe gestellt. In der fünfte Klasse kam ein neues Unterrichtsfach dazu und zwar Englisch. Wir bekamen in diesem Jahr auch eine neue Schulleiterin, die uns dann auch in Englisch unterrichtete. Sie heißt Frau Betz und ist unglaublich warmherzig. Eine Frau, bei der Kinder sich einfach wohl fühlen. Der Unterricht war immer toll, denn sie hat es halt einfach drauf. Wenn wir ein Wort nicht wussten, sollten wir es hinten im Buch nachschlagen und oftmals könnten wir das Wort nicht finden. Wir behaupteten, dann immer es stünde nicht drin, doch Frau Betz wusste, dass Fünftklässler schnell was übersehen. Hatten wir es nicht gefunden, dann bat sie uns nach vorn zu kommen, um es gemeinsam zu überprüfen. Meist fand sie es, aber in den wenigen Fällen, in dem ein Wort tatsächlich nicht da war, gab es einen Bonbon. 

Nach meiner ersten Englischstunde war also klar: ich möchte Lehrerin werden. Voller Enthusiasmus kam ich zu Hause an und habe es meiner Mutter erzählt. Kurz nach seiner Geburt wurde mein Traum auch gleich auf die erste Probe gestellt und meine Mutter holte sich bei dieser Gelegenheit gleich den Titel  Traumzerstörer ab. Sie lachte mich aus und sagte, dass ich sowas eh nicht schaffen würde. Ist es nicht bestialisch einer Elfjährigen sowas zu sagen?! 

Der nächste Tiefschlag kam mit meinem Abschluss. Ich hatte nur die Fachoberschulreife erreicht, was wohl daran lag, dass zwei Hauptfächer in der neunten und zehnten Klasse nur noch aus Selbstarbeit und Ausfall bestanden. Mein Mathelehrer war Alkoholiker und die Französischlehrerin bekam irgendeine schwerfällige Krankheit im Unterleib. Wer weiß, ob einer der Beiden überhaupt bis zum Abschluss überlebt hat. Vertretungslehrer gab es für uns leider nicht. Den dementsprechenden Abschluss schaffte ich also nicht, womit ich das Abi vergessen konnte.

Danach hatte ich kein Plan und wurde vom Arbeitsamt in eine überbetriebliche Ausbildung zur Mechatronikerin gesteckt. Ein Jahr später brach ich ab und wollte die zehnte wiederholen, was ich nach zwei Wochen aufgab. Kurz darauf wurde ich in die nächste überbetriebliche Ausbildung zur Frachkraft im Gastgewerbe gesteckt. Wieder ein Jahr später schmiss ich das Ding, weil ich mit meiner damaligen besten Freundin in eine Drückerkolonne ging. Und lockte die fette Kohle und diese knappen zehn Monate bereue ich bis heute. Als ich da endlich rauskam, zog ich weg, wo ich dann in einem Pub kellnerte. Von da aus zog ich später weiter nach Österreicht, wo ich meine Ausbildung zur Hotel- und Gastgewerbeassistentin abschloss. Anschließend zog ich wieder nach Hause und begann das Abi im zweiten Bildungsweg.

Jetzt bin ich wieder auf dem Weg zu meinem Traumberuf. Mittlerweile habe ich mich dafür entschieden Geschichtslehrerin zu werden. Über ein zweites Fach bin ich mir noch nicht ganz im Klaren, aber ich tendiere zu Psychologie, was auch mein alternativ Traumberuf geworden ist. Zeitweise weiß ich echt nicht, wofür ich mich entscheiden soll, denn es gibt überall Vor- und Nachteile. 

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2 Gedanken zu “Und wenn ich groß bin, dann werde ich …

  1. Lass dir von deinen Eltern NIE einreden das du etwas nicht schaffst. Mein Werdegang war zwar nicht so hart wie deiner, aber ich habe eine Lehre angefangen (Bautechnische Zeichnerin), wärend der meine Mutter immer mal wieder ihre Bedenken geäußert hat: „Das schaffst du nicht.“ „Das wird dir zu steil“… und das wo ich doch schon mitten drin war. Und was war? Und ob ich den Scheiß zum Abschluss gebracht habe!
    Und das schaffst du auch – du machst dir deinen Weg! 🙂

    Gefällt 1 Person

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