Viel zu früh

Es ist gerade mal 6 Uhr. Draußen ist es noch stockfinster und ich war schon mit Polly unten. Der Polarstern lechtet schön hell und der Mond ist nach der gestrigen Mondfinsternis auch recht groß und strahlt. 

Der Grund warum ich schon so früh wach bin ist ein kurzer Traum. Halb schlafend lag ich in Sids Arm und die Kerze auf meinem Nachttisch hat geflackert. Plötzlich tauchte der Schatten einer Person auf und sie hatte etwas langes in der linken Hand. Dann fing ich an rum zu quengeln, um Sid zu wecken und anschließend bin ich wach geworden. Ich konnte nicht wieder einschlafen und ging kurz mit Polly runter. Jetzt rauche ich einen kleinen Joint und hoffe nochmal schlafen zu können. 

Grasfragen 

Es gibt immer wieder Tage, an denen ich mich frage, ob Gras die Erfüllung ist. Ich werde dann nachdenklich und wünschte mir, dass die Drogen einfach aus mein Leben verschwinden würden und mit ihr meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Wissen darüber. Ohne Frage, mein Leben wäre einfacher und unsere Konten wären auch voller. Sid raucht auch nur, wenn ich rauche. Oft werde ich dann meist ziemlich traurig, weil ich einfach zu schwach bin zu widerstehen. Die Traurigkeit verwandelt sich in Verzweiflung und ich kiffe weiter, weil ich nicht so down sein will. 

Brauche ich das Gras wirklich? Warum bin ich ohne so aggressiv? Warum lass ich mich von dem THC so kontrollieren? Alles Fragen auf die ich schon mehrere Antworten habe, aber einige davon hören sich eher wie Ausreden an. Diese Sucht ist wie Hassliebe.

Will ich denn überhaupt aufhören? Und das ist hier die Frage!

Vor der Schule, in der Schule

Bis zum Schulbeginn war der Tag noch kunterbunt, aber dann kam der Deutschunterricht. Mir war klar, dass wir heute die Ausarbeitung von letzter Stunde zurück bekommen, also habe ich wie geplant einen Dübel vor der Schule durchgezogen. Auf dem Schulweg habe ich, wie fast immer noch Proviant bei Rewe gekauft. Als ich bei der Schokolade vorbei kam, wird euch erstmal von einer niedlichen, mit Rollator ausgestattet und gekrümmt gehenden Omi angeschrien: „Entschuldigung, kann ich mal was fragen?“. Vielleicht war es auch mehr ein Kreischen als Schreien, auf jeden Fall wedelte sie mit einer Tafel Rittersport Vollnuss umher und fragte, ob es denn noch mehr gäbe. Ich war überwältigt von der Tatsache, dass mein sandfarben-schwarzes Outfit mich wie eine Angestellte aussehen ließ, aber das wurde schnell nebensächlich. Die Schokolade war im Angebot und sie wollte wohl zugreifen, also verwieß ich sie an die Angestellte, die vier/fünf Meter entfernt von uns stand. Die Omi hat noch mehr Tafeln ergattert und ich ging bezahlen. 

An der letzten Kreuzung vor der Schule musste ich wieder an der roten Ampel warten und da fiel mir auf, dass meine Deutschlehrerin über rot gefahren ist. Ich machte mir daraus einen Spaß, aber als ich sie dann drauf ansprach, stritt sie es lieber ab, also mit mir darüber zu lachen. Vor ihr fuhr ein kleiner Lastwagen, der zwischen Schule und Kreuzung parkte. Kurz bevor ich dran vorbei radelte, stiegen die zwei Insassen aus. Es waren zwei Burschen, die nicht hässlich waren. Erst wollten sie mich nicht durchlassen, aber als ich ihre flirtenden Blicke mit einem Grinsen erwiedert habe, ließen sie mich durch und pfiffen mir hinterher. Na klar hat es mir geschmeichelt, aber es war nicht mein Tageshighlight. An der kreischenden Omi kommen sie jedenfalls nicht ran.

Mit Unterrichtsbeginn verkündete Frau Hannemann ihre Enttäuschung über die allgemein schlecht ausgefallene Ausarbeitung. Meine Interpretation wurde mit einer Vier bewertet und das obwohl ich meine Ausarbeitung vom letzten Jahr nur umformuliert und abgeschrieben habe. Dazu habe ich die Bemerkungen zu Fehlern berücksichtig und ausgebessert und jetzt kommt der Supergau: letztes Jahr war ein eine Drei minus! Will die Frau mich verarschen??? So denkt die ganze Klasse, denn ihre Art und Weise zu bewerten ist ein Mysterium. Mein Tag war gelaufen.

Mein Physiktest

Gestern in der Schule ist mir klar geworden, dass die Bemerkungen „Steht im Tafelwerk“ und „Wir haben nicht mehr viel Zeit“ die zwei meist benutzten Bemerkungen meiner Mathelehrerin sind. Außerdem sah meine Biolehrerin so aus, als hätte sie ihren Fön frontal auf ihr Gesicht gehalten und gleichzeitig das Haarspray rein gesprüht. Heute haben wir unseren Physiktest von letzter Woche wiederbekommen. Meinem Gefühl nach, dachte ich, dass meine Motivation wieder mit Pauken und Trompeten plattgetrampelt wird. Immerhin ist es eine drei geworden, was mich in Physik sehr freut. Wenn ich allerdings daran denke, dass ich am Donnerstag meine Ausarbeitung in Deutsch zurück kriege wird mir schlecht. Ich sollte mir Donnerstag vor der Schule einfach ein fetten Dübel reinziehen, dass mich mein Versagen nicht zu sehr runterzieht. Zuerst freue ich mich aber auf den Dübel heute nach der Schule.

Alkohol ist doch scheiße

An manchen Tagen möchte man sterben und an anderen möchte man, dass nie die Sonne untergeht. Gestern war ein fantastischer Sonntag. Sid und ich haben unseren ersten Jahrestag nachgefeiert. Wir haben Schlüppatach gemacht, also den ganzen Tag einfach nur im Bett chilln und sich an Joints und Fressalien erlaben. Es war echt super, denn wir klebten den ganzen Tag aneinander und haben nicht ein einziges Mal gestritten. Das ist rekordverdächtig.

In der Nach von Samstag auf Sonntag kam ich stockbesoffen von Sören nach Hause. Von seiner zu meiner Haustür sind es gerade mal geschätzte hundert Meter, doch mit meinen Kurven bin ich sicher den doppelten Weg gegangen. Als ich hier oben bei Sid ankam, dauerte es nicht mehr bis ich eine Stunde lang übern Eimer hing. Oh ja, war nicht schön, echt nicht schön. Drogen haben bei mir nicht solche ätzenden Nachwirkungen. Es kam zwar auch schon drei Mal vor, dass ich wegen Speed kotzen musste, aber das lag an meiner eigenen Nachlässigkeit. Ich weiß ganz genau, dass ich nicht ziehen sollte, wenn ich weniger als fünfundvierzig Kilogramm wiege. Die Wahrscheinlichkeit Galle zu kotzen inklusive Ganzkörperkrämpfe ist sehr hoch, wenn ich nur zwei- oder dreiundvierzig Kilogramm wiege. Aber selbst das finde ich weniger schlimm, als vierhundert Milliliter Berliner Luft mit einer Portion Bauerntopf auszukotzen. Eigentlich trinke ich kaum Alkohol, meist nur bei Anlässen oder mal so ein Bier. Samstag bevor ich zu Sören ging, stritten Sid und ich allerdings und ich war sowas von angepisst, dass ich nicht auf mein Konsum aufgepasst habe, denn zwischendurch haben wir Bong geraucht. Ich hätte zu Hause einfach weiter kiffen sollen, denn wäre auch mein Mageninhalt drinnen geblieben, aber ich habe es nicht einmal geschafft am Joint zu ziehen.

Das war nicht das erste Mal, dass ich mich volllaufen ließ wegen schlechter Laune. Mir ging es so übel, dass ich anfing zu flennen. Bevor ich einschlafen konnte, steckte ich mir noch ein paar Mal den Finger in den Hals, denn ich spürte diesen quälenden Druck im Magen. Dann konnte ich endlich schlafen und am nächsten Morgen ging es mir wieder blendend. Einen Kater hatte ich noch nie. Außerdem war ich vitalisiert und quicklebendig am frühen Morgen. So ist das jedes Mal nachdem ich Alkohol getrunken habe.