Endlich wieder Schule!

Heute ist der erste Schultag. Endlich haben die langen Sommerferien ein Ende genommen. Die Langeweile ist vorbei. Es ist schon ein Weilchen her, dass ich mit einem Lächeln aufgestanden bin. Viel ist am ersten Schultag nicht los. Wir kriegen die Stundenpläne, werden belehrt und informiert. Ich muss mir das heute alles zum zweiten Mal anhören. Wegen dem Klinikaufenthalt im Frühling musste ich die Schule unterbrechen. Jetzt komme ich in eine andere Klasse und wiederhole das erste Halbjahr der zwölften Klasse. Im zweiten Bildungsweg ist das nicht so schlimm. Blöd ist nur, dass ich mich bei meiner Klassenlehrerin jetzt nicht mehr über meine Mathelehrerin beschweren kann, denn meine Mathelehrerin ist jetzt meine Klassenlehrerin. Das ist absolut nicht cool. Mal sehen was der erste Schultag mit sich bringt.

Da steht mein Glück

Sollte ich nicht eingentlich glücklich sein? Ich meine, angesichts der Tatsachen spricht alles dafür: Polly ist ein hinreißender Jackell, Sid ist mein absoluter Traumprinz und Sören mein Seelenverwandter, wie ein Zwilling. Außerdem fängt in drei Tagen die Schule endlich wieder an. Das ist die pure Wonne, denn hier steht ein überquellender Topf voll Gold inmitten eines Kleefelds am Ende des Regenbogens … und ich hab ihn gefunden. Warum nur, kann ich es denn nicht so genießen, wie es dort vor mir steht?

Wenn ich drauf zu laufe, dann fängt mich schon nach wenigen Schritten dorniges Gestrüpp ab. Klar versuche ich ruhig zu bleiben, aber sobald der Jähzorn anfängt zu brodeln, werde ich fuchtig bis ich mich verheddere. Beim Versuch mich zu befreien und runterzukommen, verzweifle ich an mir selbst und verfange mich völlig Gestrüpp. Meist breche ich dann in Tränen aus, bis schlagartig ein Tobsuchtsanfall ausbricht und ich ungezügelt fies werde.

Wenn die Panikattacke vorüber ist und meine Atmung sich wieder reguliert hat, drehe ich mir eine Flinte. Nach der Zündung, schieße ich das THC wie Schrot in mein Nervensystem. Mit dem ersten Zug, spüre ich wie rasant mein Herz pocht und wie auf Knopfdruck durchatmet. Der Blutdruck sinkt und  in meinem dröhnenden Kopf wird der Hirnbrand von einem Wolkenbruch gelöscht. Mit dem zweiten Zug, zieht auch die Entspannung ein.

Auf Anweisung Tagebuch schreiben

Das war heute der erste Termin bei der Psychologin und schon wurde ich zum Tagebuch schreiben verdonnert. Meine Handschrift ist die reinste Sauklaue, aber ich schreibe gerne. Frau Hegersdorf möchte, dass ich meine Gemütszustände, als auch Erlebnisse und Erfahrungen mit Drogen notiere, um mir über meinen Konsum bewusst zu werden.
Seit über zwei Jahren konsumiere ich nun regelmäßig und bin mittlerweile abhängig. Dabei habe ich mich nicht auf eine bestimmte Droge fixiert, denn ich probiere gerne und erforsche dann die Wirkung. Frau Hegersdorf erwähnte, dass viele Erwachsene mit AHDS Drogen zur Selbstmedikation nehmen. Auch mein Konsumverhalten hat sie darunter eingestuft, zumindest ein Teil davon.
Fast jeden Tag kiffe ich, vorrangig am Abend um einschlafen zu können. Außerdem habe ich unter THC-Einfluss meine Launen besser unter Kontrolle, denn ich klinke gelegentlich aus und gerate in eine verbale Raserei. Durchschnittlich einmal die Woche ziehe ich mir Speed rein. Damit kann ich mich super konzentrieren und bin wahnsinnig kreativ, sowie ausdauernd. Wenn es sich ergibt nehme ich auch Ectasy, Pilze oder LSD. Das ist immer ein Heidenspaß. Was Kokain angeht … mh, naja ich würde es ausprobieren, aber wirklich wichtig ist es mir nicht. Auf andere Drogen bin ich nicht unbedingt scharf. Meine Auswahl reicht mir vollkommen aus.